Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 21.10.2019


Kunst

Prachtvolle Erkundung von Farbenglanz und Form

Eine Schau zum 300. Geburtstag Josef Ignaz Mildorfers: Der „Barock-Rebell“ aus Innsbruck lädt zum herbstlichen Kunstausflug ins Wiener Belvedere.

Mildorfers „Heilige Dreifaltigkeit“ (Altarbild um 1755).

© Stoll/BelvedereMildorfers „Heilige Dreifaltigkeit“ (Altarbild um 1755).



Wien – Zwischen Brixen, Telfs, dem niederösterreichischen Wallfahrtsort Hafnerberg, der Kapuzinergruft in Wien bis hin zum Schloss Esterházy in Fertöd lassen sich Gemälde und vor allem Fresken des aus Tirol stammenden Künstlers Josef Ignaz Mildorfer bewundern. Allein ergeben derartige Einzelentdeckungen kein Gesamtbild des Schaffens eines bedeutenden Vertreters des „Wiener Akademiestils“, jener kurzen Phase der intensiven Suche nach neuem malerischem Ausdruck um die Mitte des 18. Jahrhunderts.

Den 300. Geburtstag nahm das Belvedere nun zum Anlass, Josef Ignaz Mildorfer im Rahmen der den Sammlungsbeständen gewidmeten Reihe „Im Blick“ umfassend vorzustellen. „Rebell des Barock“ lautet der etwas marktschreierische Untertitel der Personale, für die Kuratorin Maike Hohn rund um das im Belvedere-Besitz befindliche Altarbild „Die Heilige Dreifaltigkeit mit den Heiligen Rochus, Florian, Sebastian und Johannes von Nepomuk“ mit großer Sorgfalt mehr als fünfzig Exponate bis hin zu erhellenden Archivalien versammelt hat, die Mildorfer als Künstlerpersönlichkeit und Kind seiner Zeit greifbar machen.

Getauft wird der neben seinen bis heute ungleich berühmteren Zeitgenossen Paul Troger, Daniel Gran oder Franz Anton Maulbertsch beinahe in Vergessenheit geratene Maler im Innsbruck des Oktober 1719. Hineingeboren in eine angesehene Künstlerfamilie und ausgebildet in der Werkstatt seines Vaters, zieht es ihn bald in die Residenzstadt Wien, wo er als Schüler der dortigen Kunstakademie 1741 höchst ehrenvoll den Zeichenwettbewerb und im Jahr darauf den Malereiwettbewerb für sich entscheiden kann. Exzellente Voraussetzungen, um Auftraggeber seitens Kirche und Adel für sich einzunehmen. Bis zu seinem Tod 1775 wird Mildorfer für zahlreiche Stifte und Orden und nicht zuletzt für Kaiserin Maria Theresia tätig sein.

Sein Streben nach einem eigenen Ausdruck, die gewagten Farb- und Lichtakzente lassen sich anhand der vier Bilder des aus der Hofburg Brixen entliehenen „Engelszyklus“ nachvollziehen: Wie in Scheinwerferlicht getaucht erscheinen die bewegten Körper von Mensch und Engelswesen, zusätzlich dynamisiert von farbigen Stoffbahnen, die mehr theatrale Drapierung als verhüllende Kleidung sind.

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Neben diesen Inhalten beschäftigte sich der Künstler in seiner Frühzeit als Schlachtenmaler und kommentierte den Österreichischen Erbfolgekrieg auf seine Weise: Gewusel und Gemetzel, aber auch Heldenpracht vereinen sich in der „Schlacht von Schärding“. Abgerundet wird das Bild eines großen Könners und auch Lehrenden – schließlich war Mildorfer in den 1750er-Jahren als Professor einer der Protagonisten des erwähnten avantgardistischen „Wiener Akademiestils“ – durch die schmucken, kleinformatigen „Panduren“-Tafeln. Farbenfroh, bis an die Zähne bewaffnet, zeigt der Maler mit sichtbarer Lust am Exotismus Soldaten jener aus südosteuropäischen Söldnern gebildeten Truppen, pointiert dargeboten wie Figurinen der Commedia dell’arte. Sehenswert. (lietz)