Letztes Update am Do, 14.02.2013 07:47

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kunst

Den Herzschlag der Ameise im Ohr

Innsbruck hat ein Museum mehr: Das private, von der Stadt mitfinanzierte Audioversum entführt mit vielen virtuellen Spielereien in die Welt des Hörens.



Von Ivona Jelcic

Innsbruck – Den „Schreiraum“ möchte man für gewisse Gelegenheiten gern mit ins Büro nehmen. Geht aber nicht, er gehört zum fixen Inventar des Audioversums, das Mittwochabend in der Wilhelm-Greil-Straße eröffnet wurde. Hat man dort gut gebrüllt und dabei Dezibel gemessen, geht es über eine Treppe, die nach Innsbruck klingt, hinauf in die Welt des Hörens. Jeder Schritt auf eine Stufe setzt Geräusche in Gang: Flugzeuge, Straßenlärm, Vogelgezwitscher.

Das Audioversum ist technisch mit allen Finessen ausgestattet, für die Entwicklung der Ausstellung hat man sich die Unterstützung und das Know-how des Ars Electronica Futurlabs in Linz geholt. Und ein Museum geschaffen, das nicht nur durch seine Konzentration allein auf das Hören eine Besonderheit darstellt: Es ist auf Initiative eines privaten Unternehmens, des Innsbrucker Hörimplantate-Herstellers Med-El entstanden. „Uns war es ein Anliegen, die Öffentlichkeit über dieses faszinierende Sinnesorgan und seine Bedeutung zu informieren“, sagt Med-El-Gründerin Ingeborg Hochmair. Das Audioversum soll keine Präsentation des Unternehmens sein, sondern vielmehr eine Art „Science Center“, mit dem man durchaus auch Aufklärung betreiben wolle, wie Eckhard Schulz, Projektleiter und Ideengeber, erklärt: „Zum Beispiel für Jugendliche, die sich über Ohrstöpsel 120 Dezibel reinpusten.“

Was das im Vergleich mit anderen Lärmmachern heißt, wird mittels Alltagsobjekten gezeigt, deren Größenverhältnisse die Lautstärke bestimmt: Eine Flugzeugturbine ist da kaum größer als ein handelsüblicher Kopfhörer. An der „Haarzellen-Station“ werden die Rezeptoren aus dem Innenohr zu Musikinstrumenten. Auf der „Klangreise“ erfährt man schließlich, dass die Schwingungen, die für die Stimulation des Gehörs benötigt werden, nicht größer als der Herzschlag einer Ameise sind. Es gibt Spiele, 3D-Trips in den Gehörgang, für Kinder im Erdgeschoß ein eigenes Labor samt „Kritzelphon“, das den Farben Klänge zuordnet – insgesamt jede Menge Material zum Anfassen und Ausprobieren.

Sehr zur Freude von Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer, die sich vor knapp drei Jahren ins „Phaeno“ verschaut hat. Und zwar nicht nur in die verwegen schrägen Schenkel des von Zaha Hadid auf Stelzen gestellten Wissenschaftsmuseums, sondern vor allem in seinen Inhalt: „So etwas bräuchte es in Innsbruck auch“, entfuhr es Oppitz-Plörer angesichts der naturwissenschaftlichen Experimentierlandschaften. Und war wohl auch deshalb ziemlich schnell von der Idee eines Audioversums zu überzeugen. Das Vorhaben ließ sich zudem mit dem Haus für die freie Theaterszene verbinden, für das man nach gescheiterten Verhandlungen mit Tanzschulbetreiber Ferry Polai einen Partner gesucht hatte. Insgesamt hat das „Audioversum“ zwei Millionen Euro gekostet, die Stadt Innsbruck beteiligt sich mit 450.000 Euro und – vorerst in den ersten drei Jahren – mit 175.000 Euro am laufenden Betrieb.

Natürlich ist das Audioversum nicht mit einer großen öffentlichen Institution wie dem Wolfsburger „Phaeno“ vergleichbar, als Reise in die Welt des Hörens, die für Erwachsene 6,50 Euro und für Kinder 4 Euro Eintritt kosten soll, ist es aber ebenso lehrreich wie unterhaltsam angelegt. Für die Zukunft ist an Sonderausstellungen und Kooperationen gedacht. Und für die Unternehmens-Selbstbeschau bleibt ein eigener Raum reserviert.




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