Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 07.05.2016


Literatur

Rezepte für die Liebe und den Tod

In Bettina Balàkas Roman „Die Prinzessin von Arborio“ bringt die Heldin ihre Liebhaber ums Eck. Ein Krimi also? Wohl eher ein psychologischer Verwicklungs-Roman.

© BarberoDie gebürtige Salzburgerin Bettina Balàka lebt als freie Schriftstellerin in Wien. Für ihr Schaffen erhielt sie u. a. den Salzburger Lyrikpreis.Foto: Barbero



Von Christiane Fasching

Innsbruck – Schon auf der ersten Seite von Bettina Balàkas Roman „Die Prinzessin von Arborio“ wird die Katze aus dem Sack gelassen: Die Heldin ist eine Killerin. Drei Männer hat Elisabetta Zorzi, deren Nachname auch ihr Spitzname ist, ins Jenseits befördert. Ein vierter Mann, der Kriminalpsychologe Arnold Körber, ist felsenfest davon überzeugt, dass er die hübsche Signorina im Griff hat, dass ihm die Zorzi aus der Hand frisst. Doch da täuscht er sich gewaltig.

Denn nach diesem – die mörderischen Fakten enthüllenden – Columbo-Start taucht Balàka in die komplexe Psyche einer Serienkillerin ein, die eigentlich nur auf der Suche nach Liebe und Familie ist. Doch den Männern, die sich rasch in Zorzis Eigenheim setzten, war das Glück der leicht verformbaren Tochter eines gleich erfolg- wie lieblosen Schriftstellers egal: Sie unterdrückten oder belogen sie, manipulierten und ignorierten sie. Und dafür mussten sie büßen: Einen Liebhaber stieß Zorzi vom Berg, den nächsten versenkte sie im Meer, dem dritten tat sie was – Giftiges natürlich – in den Energy-Drink. Eine eintönige Mörderin ist Zorzi also nicht und genauso wenig ist „Die Prinzessin von Arborio“ ein klassischer Krimi. Ein psychologischer Verwicklungs-Roman bringt die Sache wohl eher auf den Punkt. Als Leser lernt man nämlich nicht nur die für ihre Risotto-Leidenschaft bekannte Restaurant-Besitzerin und Hobby-Mörderin näher kennen, man bekommt auch Einblicke in die Psyche des vermeintlich abgeklärten Gerichtspsychologen Körber. Auch der wurde von der Liebe enttäuscht. Und auch in ihm schlummert ein weicher Kern – obwohl seine tätowierte Schale etwas anderes vermitteln soll. Dass er am Ende des Tages zum fast schon willenlosen „Prison Groupie“ mutiert, wurmt ihn wohl am meisten. Wer frisst da jetzt wem aus der Hand?

Mit einem feinsinnigen Gespür für Spannung und Humor erzählt Balàka die Geschichte der „Prinzessin von Arborio“ – der Titel spielt übrigens auf eine bekannte Risotto-Reissorte an, die in Zorzis Cantinetta kredenzt wird. Leider gibt’s die nur zwischen zwei Buchdeckeln. Die Reishexe glücklicherweise aber auch.

Roman Bettina Balàka: Die Prinzessin von Arborio. Haymon, 264 S., 19,90 Euro. Lesung. Dienstag, 10. Mai, AEP-Frauenbibliothek, Schöpfstraße 19, Beginn: 19.30 Uhr