Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 02.12.2017


Bezirk Landeck

Venet-Seilbahn: 50 bewegte Jahre zwischen Krisen und Hoffnungen

Autor Manfred Jenewein legt Buch zum Jubiläum der Venet-Seilbahn vor. Am 8. Dezember 1967 startete das Unternehmen in die erste Wintersaison.

Die Venet-Skilehrer mit der alten Gondel im Hintergrund: Pepe Schmitz, Arthur Probst, Karl und Herbert Juen, Seppl Probst, Robert Schrott, Luise und Luis Kofler, Ingo Öhler und Karlheinz Hagmann (v. l.).

© H. JuenDie Venet-Skilehrer mit der alten Gondel im Hintergrund: Pepe Schmitz, Arthur Probst, Karl und Herbert Juen, Seppl Probst, Robert Schrott, Luise und Luis Kofler, Ingo Öhler und Karlheinz Hagmann (v. l.).



Von Helmut Wenzel

Landeck, Zams, Fließ – Sie pendelt von der Talstation in Zams (780 m Seehöhe) hinauf zur Bergstation (2208 m) am Krahberg – die Venetbahn. Es ist die viertälteste Seilbahn im Bezirk Landeck. Vor 1967 gab es erst drei Seilbahnen im Bezirk – in St. Anton, Serfaus und Ischgl. Generationen von Venet-Fans aus dem Talkessel standen auf „ihre“ Freizeiteinrichtung, das Skigebiet mit drei Schleppliften boomte. Konditionsstarke Skifahrer nutzen den Weinberglift bis zu 50-mal an einem Tag.

Manfred Jenewein mit dem Venet-Buch.
Manfred Jenewein mit dem Venet-Buch.
- Wenzel

Pünktlich zum Jubiläum der Bahn, die am 8. Dezember 1967 in Betrieb ging, hat der Landecker Kommunalpolitiker und Autor Manfred Jenewein ein 160-Seiten-Buch mit dem Titel „Die Venet-Seilbahn, 50 bewegte Jahre“ vorgelegt. Er erzählt darin „die Geschichte der Venetbahn, vom jahrelangen Bemühen um die Finanzierung bis zur Eröffnung, von den Erweiterungen des Skigebietes in Richtung Fließ und Rifenal, von den vielen Krisen und Hoffnungen, die es in diesem halben Jahrhundert gab“.

Schon bald nach der Eröffnung habe sich gezeigt, dass die Bahn betriebwirtschaftlich nicht überlebensfähig ist, resümiert der Autor. „Die volkswirtschaftliche Bedeutung dieser Freizeiteinrichtung sorgte jedoch dafür, dass die drei Hauptaktionäre (Anm.: Gemeinden Landeck und Zams sowie der Tourismusverband) dem Unternehmen immer wieder unter die Arme gegriffen haben.“

Auch mit der jahrelangen Vorgeschichte der Bahn sowie mit der Entwicklung des Fremdenverkehrs in der Region hat sich Jenewein ausführlich befasst. „Auch wenn die Bahn in Zams liegt: Die treibenden Kräfte, die zum Bau der Bahn führten, kamen aus Landeck.“ In den Überlegungen um 1960 habe man eine Talstation in Landeck angestrebt – in der Urtl und am Marienheimplatz, wo inzwischen das Altenheim steht.

Hohe finanzielle Hürden in den 60er-Jahren hätte dazu geführt, dass die Pläne mehrmals verworfen wurden. Erst als Ende 1965 Zusagen für ein ERP-Darlehnen eintrafen, kam das Projekt in die Umsetzungsphase (ERP steht für European Recovery Program auf Grundlage des Marshallplans 1948). Zudem legten die Initiatoren Aktien im Wert von 1000 Schilling auf, Gewinnanteilsscheine wurden ebenfalls gedruckt. So landeten vier Mio. Schilling auf dem Baukonto, eine Gewinnausschüttung gab es freilich nie. Bereits 1969 stand die Venetseilbahn AG am Rande eines Konkurses. Nur ein finanzieller Klimmzug der Stadt Land­eck und des Landes konnte die Pleite abwenden.

Die „Venet-Seilbahn“ gibt es zum Preis von 18 Euro unter manfred.jenewein@aon.at und im lokalen Buchhandel.

Dieses Panorama-Bild gab es als Auto-Aufkleber.
Dieses Panorama-Bild gab es als Auto-Aufkleber.
- Mathis