Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.02.2018


Literatur

Die Zukunft von Quart ist offen, aber nicht ungewiss

Heute werden die zwei neuesten Bände der Tiroler Kulturzeitschrift vorgestellt. Die Förderzusage umfasst vorerst nur noch zwei weitere.

© QuartDiese Holzfigur des Südtiroler Künstlers Bruno Walpoth, fotografiert von Egon Dejori, ziert das Cover von Quart Nummer 30.Foto: Quart



Innsbruck – Vermutlich hat Andreas Schett, Kopf der Musicbanda Franui sowie Chefredakteur und Herausgeber der Tiroler Kulturzeitschrift Quart, diese Frage schon satt: Ist Quart nicht ein elitäres Produkt, Lesestoff von und für die Kulturszene? Viel Breitenwirkung vermag das aufwändig gestaltete Produkt bei einer Auflage von 2000 Stück wohl kaum zu entfalten.

Schett nimmt’s gelassen. „Es geht um inhaltliche Relevanz, nicht um Größe.“ Er sieht das Heft als Plattform für junge und arrivierte Künstler gleichermaßen. „Und sie alle beschäftigen sich mit Tirol, das sind bleibende Werte“, betont der Quart-Macher

Halblaute Kritik begleitet die mit viel Landesgeld (123.000 Euro jährlich) geförderte Publikation schon seit dem Quart-Erstling 2003. Heute Abend, zum 15-Jahr-Jubiläum, werden zwei Bände präsentiert: Quart 29 und 30 (Einzelpreis: je 16 Euro).

Band 29 wartet, ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit, mit Texten von Hans Magnus Enzensberger und Esther Kinsky auf. Die Originalbeilage, das schon gewohnte Kunststück zum Herausnehmen, ist ein provokantes Werk von Thomas Feuerstein: „Brunze aus Bronze“. Mehr kann man ja selber herausfinden. Die linken Quart-Seiten werden traditionell von nur einem Künstler gestaltet. Benjamin Zanon hat die Texte auf den rechten in Zeichnungen auf den linken Seiten umgewandelt, mithilfe eines eigenen Zeichensatzes als Ersatz für Buchstaben.

Apropos Buchstabensalat. In Quart 30 berichtet Schriftsteller Ilija Trojanow von einer Nacht in der Wagner’schen Buchhandlung in Innsbruck Er schmökert in Büchern, vielleicht, weil allein, beginnt er bei der Erotik. Bis sechs Uhr morgens knöpft er sich Sachgebiet um Sachgebiet vor, sogar auf Kalender fällt der müde Blick. Um 6 Uhr geht dann nichts mehr. Jetzt noch Bücher zählen (anstatt Schafe), schon kommt der Schlaf.

Und die Zukunft? „Band 31 und 32 sind finanziell abgesichert“, sagt Schett. Nach der Landtagswahl wird man weitersehen. Schett sieht’s wieder gelassen. (mark)