Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 24.07.2018


Literatur

Eine rasante Mörderjagd mit schwarzer Perücke

Unterhaltsame Sommerlektüre mit der resoluten Tante Poldi aus Bayern. Krimispannung und eine Liebeserklärung an Sizilien.

© FinePicDer deutsche Autor Mario Giordano schreibt Romane, Jugendbücher und Drehbücher. Jetzt ist sein dritter Poldi-Band erschienen.



Von Brigitte Warenski

Wien – Tante Poldi kann es einfach nicht lassen. Neben ihrem Faible für fesche italienische Polizisten steckt das bayerische Unikum wieder einmal die Nase in mörderische Angelegenheiten.

Seit Tante Poldi von Bayern nach Sizilien gezogen ist, hat sich bei der resoluten älteren Dame nicht viel geändert. Die Perücke sitzt auch im dritten Poldi-Band felsenfest, die nicht immer jugendfreien Sprüche gehen ihr ganz locker von der Zunge, das Hochprozentige mundet, und die Liebe ist ein schmerzhafter Dauerzustand.

In „Tante Poldi und der schöne Antonio“ stellt Mario Giordano seine selbsternannte Ermittlerin zuerst auf eine harte Probe. Sie muss Montana, ihrem Commissario des Herzens, den Noch-Ehemann John aus Afrika vorstellen, der plötzlich in Sizilien auftaucht. Er ist auf der Suche nach seinem Bruder Thomas, der mit einem mysteriösen Koffer voller Geld verschwunden ist. Seine letzte Postkartenbotschaft stammt aus Palermo, und diese Spur führt zum schönen Antonio.

Einblicke in die turbulenten Ermittlungen und in Poldis Seelenlandschaft gibt wie gewohnt Poldis Neffe, der auf der Mörderjagd nicht fehlen darf. Quer durch Sizilien führt Giordano seine Krimileser, die ob der ganzen „Sicilianità“ am liebsten sofort ihre Koffer packen und gegen Süden reisen wollen.

Giordanos Sammelsurium an Protagonisten ist einzigartig, so einzigartig wie der Plan, den sich Poldi ausdenkt, um für Gerechtigkeit zu sorgen. Dass der Berliner Autor die Insel und ihre Bewohner liebt und ihnen mit Tante Poldi eine Art Liebeserklärung schenkt, hat fast genauso viel Gewicht wie das mörderische Treiben.

Dass Giordano ein Meister des Verbrechens ist, hat er in zig Drehbüchern u. a. für den „Tatort“ unter Beweis gestellt. Auch beim dritten Poldi-Band ist für Spannung gesorgt, auch wenn sich die Story ein wenig skurril entwickelt und gar viele Wendungen nimmt.

Nichtsdestotrotz – zum Krimisommer gehört sie seit drei Jahren ohne Wenn und Aber dazu: die Poldi mit ihrer Leidenschaft für Männer in Uniform und für rasante Mörderjagden, und das – wie es sich für einen Roadtrip der Frau mit schwarzer Perücke gehört – in einem alten roten Maserati Spyder.

Krimi Mario Giordano: Tante Poldi und der schöne Antonio. Lübbe Verlag, 367 Seiten, 15,50 Euro.