Letztes Update am Mo, 05.11.2018 20:11

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Literatur

Daniel Wisser gewinnt Österreichischen Buchpreis

Der Österreichische Buchpreis 2018 geht an Daniel Wisser. Der ebenfalls nominierte Imster Schriftsteller Gerhard Jäger liegt nach einer Gehirnblutung im künstlichen Tiefschlaf in der Innsbrucker Klinik.

© APADaniel Wisser und Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP).



Von Markus Schramek und Joachim Leitner

Wien, Imst – In Wien wurde am Montagabend feierlich der Österreichische Buchpreis 2018 verliehen; zum dritten Mal kürte der Hauptverband des heimischen Buchhandels den „Roman des Jahres“. Die Spannung war bis zuletzt groß, selbst der spätere Preisträger wird über seine Kür nicht vorab informiert.

Gerhard Jäger schaffte es ins Finale für den Buchpreis 2018.
- Hammerle

Einer der fünf Nominierten allerdings fehlte, als am frühen Abend der neue Preisträger auf die Bühne im Kasino am Schwarzenbergplatz gebeten wurde: der in Imst wohnhafte Autor Gerhard Jäger, der es mit seinem Roman „All die Nacht über uns“ auf die Shortlist des mit 20.000 Euro dotierten Preises schaffte. Der gebürtige Vorarlberger, der seit Langem mit seiner Familie in Tirol lebt, erlitt vor einigen Tagen eine Gehirnblutung. Er liegt seither in der Innsbrucker Klinik im künstlichen Tiefschlaf, wie Jägers Frau Andrea der TT erzählt.

Marie Gamillscheg erhielt für ihren Roman „Alles was glänzt“ den Debütpreis.
- APA

Ein weiterer Schicksalsschlag für den Schriftsteller, der früher auch als Redakteur für die Tiroler Tageszeitung tätig gewesen ist: Vor elf Jahren brach der heute 52-jährige Jäger bei einem beruflichen Termin zusammen und stürzte so unglücklich, dass er seither querschnittgelähmt ist.

Zwei Romane hat Gerhard Jäger bislang veröffentlicht – und dafür viel Anerkennung erfahren. „Schon die Nominierung für den Buchpreis hat meinen Mann sehr gefreut“, sagt Andrea Jäger. Die Reise nach Wien sei bereits fix geplant gewesen.

Für „All die Nacht über uns“, in dem Jäger das Thema Flucht aus der Sicht eines Grenzsoldaten bearbeitet, benötigte der Verfasser einen langen Atem. 25 Verlage lehnten das Roman-Manuskript ab, ehe es Ende August dieses Jahres beim Wiener Picus Verlag veröffentlicht wurde.

In Abwesenheit Jägers ging der Österreichische Buchpreis 2018 an Daniel Wisser für seinen hinreißend hintersinnigen Roman „Königin der Berge“, der im Salzburger Verlag Jung und Jung erschienen ist. Der 47-jährige gebürtige Klagenfurter Wisser erzählt darin vom todgeweihten Robert Turin, der um sein Anrecht auf selbstbestimmtes Sterben kämpft. Trotz des schweren Themas ist Wisser ein federleicht verspielter Roman gelungen. Neben Wisser und Jäger standen Milena Michiko Flasar („Herr Kato spielt Familie“, Wagenbach), Heinrich Steinfest („Die Büglerin“, Piper) und Josef Winkler („Laß dich heimgeigen, Vater, oder Den Tod ins Herz mir Schreibe“, Suhrkamp) auf der Shortlist für den Preis. Alle Finalisten erhalten 2500 Euro.

Mit dem Debütpreis in Höhe von 10.000 Euro wurde die 1992 in Graz geborene Marie Gamillscheg für ihren Roman „Alles was glänzt“ (Luchterhand) ausgezeichnet. Sie setzte sich gegen Ljuba Arnautovi´c („Im Verborgenen“, Picus) und David Fuchs („Bevor wir verschwinden“, Haymon) durch.