Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 28.12.2018


Literatur

“Fun“ von Paolo Bacilieri: Mit dem “Professore“ ums Eck gedacht

Paolo Bacilieri erzählt die Kulturgeschichte des Kreuzworträtsels als Comic-Krimi – und verneigt sich damit vor dem unvergessenen Umberto Eco.

„Fun“ zeichnet die Erfolgsgeschichte des Kreuzworträtsels nach – und erlaubt sich die Freiheit, auch jene des Comics anzudenken.

© Paolo Bacilieri/Avant-Verlag„Fun“ zeichnet die Erfolgsgeschichte des Kreuzworträtsels nach – und erlaubt sich die Freiheit, auch jene des Comics anzudenken.



Innsbruck – Kreuzworträtsel und Comic haben einiges gemeinsam: Beide erinnern optisch an die mit Fensterchen gespickten Fassaden amerikanischer Wolkenkratzer. Und beide wurden in amerikanischen Wolkenkratzern erfunden. Genau genommen sogar im selben. Oder zumindest berühmt gemacht wurden sie dort. In den Redaktionsräumen der einst ruhmreichen New York World nämlich. 1895 etablierte die Zeitung mit „The Yellow Kid“ den ersten Comic-Strip, knapp zwei Jahrzehnte später ersann Arthur Wynne für das Blatt das erste – damals noch rautenförmige – Gitterrätsel. Es lag also durchaus nahe, die Geschichte des Kreuzworträtsels, das – auch hier den bunten Bildgeschichten durchaus vergleichbar – als banale und zur Verblödung führende Bespaßung verpönt, als Comic zu erzählen. Der italienische Zeichner Paolo Bacilieri, der sich mit seiner Graphic Novel „Fun“ – so war auch Wynnes erstes Rätsel überschrieben – diesem Unterfangen annahm, macht aber noch viel mehr. Mit spitzer Feder eröffnet er ein ganzes Universum an Bezügen. Er zeichnet den (auch kommerziellen) Triumphzug des Kreuzworträtsels nach und denkt dabei äußerst anregend ums Eck, landet bei den Sprachakrobaten der Oulipo-Gruppe um Georges Perec, der es sich mit „La disparition“ zur Aufgabe machte, einen Roman ohne „E“ zu schreiben – und letztlich bei einem sprichwörtlich an Gott und der Welt interessierten Denker, der sich nicht zuletzt für Comics interessierte. Beim 2016 verstorbenen Umberto Eco also. Dieser stand – nicht nur äußerlich – Pate für den Professor Pippo Quester, der an einer Kreuzworträtselstudie bastelt – und dafür gemeinsam mit dem Cartoonisten Zeno Porno recherchiert.

Bacilieri macht den „Professore“ und seinen gelangweilten Sidekick zu Protagonisten in einem irrwitzigen Krimiplot, der sich waghalsig – wie könnte es auch anders sein – von einem Rätsel zum nächsten schwingt. Obwohl in „Fun“ scharf geschossen wird, wird das optisch opulente Comic seinem Titel jederzeit gerecht. „Fun“ ist ein großer, bisweilen unheimlicher und unheimlich gescheiter Spaß. (jole)

Comic Paolo Bacilieri: Fun. Aus dem Italienischen von Benjamin Clay. Avant-Verlag, 294 Seiten, 30,90 Euro.