Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 05.02.2019


Literatur

Würzige Quartessenz

Die Nr. 32 der Tiroler Kulturzeitschrift Quart ist ein Best-of der letzten sieben Jahre, eingeleitet mit einer Premiere von Michael Köhlmeier.

Die Schwazer Künstlerin Susanne Kircher-Liner hat das Cover für das Quart-Heft Nr. 32 gestaltet.

© Reinhard HölzlDie Schwazer Künstlerin Susanne Kircher-Liner hat das Cover für das Quart-Heft Nr. 32 gestaltet.



Von Edith Schlocker

Innsbruck – Die schöne neue Innsbrucker Stadtbibliothek gab gestern Abend den idealen Rahmen für die Präsentation der Nummern 31 und 32 der Tiroler Kulturzeitschrift Quart ab. Die es bereits seit 16 Jahren gibt und laut Mit-Herausgeber und Mit-Chefredakteur Andreas Schett mindestens weitere fünf Jahre geben wird. Beibehalten wird auch das sehr spezielle Layout: Die linken Seiten werden jeweils von einer Künstlerin/einem Künstler gestaltet, korrespondierend im weitesten Sinn mit den Texten auf der rechten Seite.

In der Nr. 31 ist es Aglaia Haritz, die mit Stoffen, Fäden, Knöpfen, Gesticktem und Gehäkeltem ihre Bild-Geschichten erzählt. Parallel zu denen, die etwa der Schnapsbrenner Christoph Keller, der nach Meeren und Limonaden süchtige Thomas Stangl oder Martin Fritz erzählt, der darüber spekuliert, ob Anaïs Nin jemals in Tirol gewesen ist. Und die obligate, nun schon 31. Landvermessung geht diesmal von Toblach nach Cortina.

Quart ist aber nicht nur ein Heft zum Lesen, sondern auch eines zum Schauen. Das Cover der Nr. 31 sowie eine mehrseitige Bildstrecke hat Herbert Hinteregger gestaltet, begleitet von einem klugen Text von Martin Prinzhorn. Komplett konträr zu Hintereggers minimalistischer Handschrift ist die mit skurrilem Pathos aufgeladene des Grödner Bildhauers Gerhard Demetz, aber auch die von Silke Otto-Knapp, die Kurt Schwitters’ legendäre „Normalbühne“ visuell weiterdenkt. Die 31. Originalbeigabe von Quart ist auf einen ersten Blick unspektakulär. Ist Teil des Projekts der umweltbewegten, an europäischen Stränden Plastikmüll sammelnden Künstlerin moki.

In Quart Nr. 32 ist das Best-of aus den vergangenen sieben Jahren versammelt. Die linksseitigen Echokammern für das rechtsseitig Geschriebene stammen folgerichtig von den unterschiedlichsten Künstlern, von Martin Walde über Benjamin Zanon und Peter Sandbichler bis zu Heinz Gappmayr.

Aus mehr als 2000 Seiten die „Quartessenz“ aus sieben Jahren herauszufiltern, sei alles andere als leicht gewesen, so Andreas Schett. Komprimiert zu einer aus unterschiedlichsten Perspektiven die Region Tirol reflektierenden Anthologie, von innen genauso wie von außen. Quart Nr. 32 kann aber auch mit einer Premiere aufwarten. Dem von Michael Köhlmeier speziell für die Tiroler Kulturzeitschrift geschriebenen Essay „Satan und Madonna – ein Plot“, in dem es um die Nähe von Gut und Böse im Märchen geht. Malerisch kommentiert von der Schwazer Künstlerin Susanne Kircher-Liner, die auch das Cover gestaltet hat.