Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 20.05.2019


Lesung

„Ich arbeite unentwegt und viel“

Schriftsteller Oswald Egger liest heute im Literaturhaus und hält morgen die Poetikvorlesung.

Oswald Egger, geboren 1963. Seine Prosa und Gedichte sind in mehrere Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet worden.

© Charlotte KonsOswald Egger, geboren 1963. Seine Prosa und Gedichte sind in mehrere Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet worden.



Innsbruck – Der gebürtige Südtiroler Oswald Egger wird heute im Literaturhaus am Inn lesen und am Dienstag die Poetikvorlesung abhalten. Oswald Egger wurde 1963 in Tscherms geboren. Heute lebt der gebürtige Südtiroler Schriftsteller in Wien und hat außerdem einen ungewöhnlichen Arbeitsplatz: die ehemalige Raketenstation Hom­broich bei Neuss. Eggers Prosa und Gedichte sind in mehrere Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet worden. Seit 2011 ist er Professor für Sprache und Gestaltung an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel.

Die Innsbrucker Poetik-Vorlesungen an der Universität wurden bereits 1984 von dem Germanisten Alfred Doppler initiiert. Er ermöglichte damit den Studierenden einen direkten Austausch mit österreichischen Schriftstellerinnen und Schriftstellern. Dieser unmittelbare Kontakt mit den Kunstschaffenden ist wichtig, eröffnet er doch einen ganz anderen Blick auf schriftstellerische Arbeitsprozesse.

Die TT hat mit Oswald Egger im Vorfeld seiner Veranstaltungen gesprochen. Mit seiner heutigen Lesung etwa will er seine Zuhörer besonders überraschen, denn er sagt: „Ich lese einen für diesen Anlass zusammengestellten Text, der in dieser Form nicht in einem Buch nachzulesen ist, sondern sich aus drei oder vier Schaffensperioden zusammensetzt. Ich schneidere meine Lesungen stets auf den Anlass hin zu. Das ist zwar einiges an Aufwand, aber eben auch mein Gastgeschenk an den jeweiligen Ort.“

Oswald Eggers literarisches Schaffen ist von großer Eigenständigkeit und auch von Eigenwilligkeit geprägt. Dies zeigt sich nicht zuletzt in seinem 2017 erschienenen Werk „Val di Non“ (Suhrkamp, Berlin), in dem er seine Heimat sprachlich durchwandert und ihr auf diese Weise ein literarisches Denkmal setzt. Egger ist außerdem in jeder Hinsicht ein minutiöser Beobachter seiner Umgebung. Seinen Augen scheint nichts zu entgehen, er greift jedes noch so winzige Detail, sei es ein Grashalm oder eine Gesteinsformation, in seinem poetischen Schaffen auf und ergänzt seine gedanklichen Streifzüge durch filigrane Zeichnungen. Daraus entsteht ein Werk, das sich nicht einer bestimmten literarischen Gattung zuordnen lässt.

Auf die Frage, welche Themen Oswald Egger in seiner Poetikvorlesung behandeln wird, antwortet er: „Es geht wohl lediglich um implizite Prinzipien und Verfahrensweisen, die dem poetischen Tun zu Grunde liegen, um Einübungen darin, irgendwie dorthin zu schauen, wohin beim Lesen normalerweise niemand schaut. Also generell darum, wie, zum Beispiel dann, ich lese und schreibe, und, was, denke ich, viel wichtiger ist, wie man Lesen und Schreiben lernen könnte. Mit anderen Worten: Elementare Verfahrensweisen u. a. sprachlicher Darstellung werden sowohl entworfen als auch Wort für Wort eingeübt.“ Egger verrät der TT, dass er derzeit auch mit neuen Projekten befasst ist: „Ich arbeite unentwegt und viel (manche meinen vielleicht sogar: zu viel), und zwar immer und immer auf der Suche nach der Frage, worauf Wort für Wort die Antwort ist. Genauer: wie eins zum anderen kommt (das Schwerste). 2020 wird dazu ein voluminöses und vielfarbiges, d. h. rundum buntes Buch im Suhrkamp Verlag erscheinen.“ (geta)

Lesung: Der gebürtige Südtiroler Schriftsteller Oswald Egger liest heute, Montag, 20. Mai um 19 Uhr im Literaturhaus am Inn einen eigens zusammengestellten Text, der nicht in einem Buch nachzulesen ist. Moderation: Eleonore De Felip

Poetikvorlesung: Oswald Egger behandelt die Grundfragen des poetischen Tuns im Rahmen seiner Poetikvorlesung. Dienstag 10.30—12 Uhr sowie 16.30—18 Uhr. Literaturhaus am Inn, Josef-Hirn-Straße 5, 10. Stock, Innsbruck