Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 21.10.2019


Literatur

Krimifest im Treibhaus: Genremarathon mit Glasauge

Das dritte Krimifest Tirol wurde am Samstagabend im Innsbrucker Treibhaus eröffnet.

Die Gefahren grindiger Gefängnisduschen: Anna Simons und Moderator Elmar Krekeler.

© Foto TT/Rudy De MoorDie Gefahren grindiger Gefängnisduschen: Anna Simons und Moderator Elmar Krekeler.



Innsbruck – Tirol ist wieder Krimilandschaft. Und die Krimikrankheit wuchert. Auch über Tirols Grenzen hinaus. Zeitgleich mit dem hiesigen Krimifest wird auch am Wörthersee, in und um Wien, in Oberösterreich und in steirischen Buchhandelskettenfilialen literarisch gemeuchelt. Das vor drei Jahren von Bestsellerautor Bernhard Aichner und Haymon-Verleger Markus Hatzer gestartete Festival hat sich zum Franchise ausgewachsen: 82 Veranstaltungen an 10 Tagen. Weitere Ableger sind alles andere als ausgeschlossen.

Das Tiroler Ur-Festival wurde am Samstagabend im Innsbrucker Treibhausturm eröffnet. Ohne allzu viel Pomp. Aber mit Marathonprogramm. Wobei, Marathon geht neuerdings unter zwei Stunden. Da nimmt sich der Krimi noch etwas mehr Zeit. Sieben Autorinnen und Autoren lasen zum Auftakt. Der dramatische und der dramaturgische Bogen spannten sich über beinahe alle Spielarten des Genres: Anna Simons („Seelentot“) erforscht die Gefahren von grindigen Gefängnisduschen; Benedikt Gollhardt („Westwall“) recherchierte rechten Recken hinterher; bei Kurt Palm („Monster“) fliegen die Gliedmaßen; bei Edith Kneifel („Todesreigen in der Hofreitschule“) ganze Pferde (in die Luft); Andreas Winkelmann („Die Lieferung“) studiert Schmeißfliegen; Elisabeth Herrmann („Schatten der Toten“) stellt eine Tatortreinigerin in die Erbfolge eines Superspions; und Franz Friedrich Altmann („Turrinis Hirn“) verdankt die Welt die hochkulinarische Vergleichsformulierung, jemand sei so deplatziert „wie ein Glasauge in einer Leberknödelsuppe“.

Kurzum: Die Eröffnung war facettenreich, nicht unbedingt arm an Floskeln (Lippen werden von Lächeln umschlichen und so weiter), aber durchwegs kurzweilig: Auch weil die Lesezeit vom bestens präparierten Krimi-Großkritiker Elmar Krekeler (Die Welt) mit trockenem Humor eingeführt und streng getaktet wurde. Und weil der gerade einmal 18-jährige Multiinstrumentalist Severin Salvenmoser mit feinster Filmmusik-Fusion den Rahmen absteckte.

Für ihren Kurzkrimi „Der Schriftsteller“ wurde die 16-jährige Johanna Westreicher aus Serfaus mit dem Jugend-Krimipreis ausgezeichnet. Ihr Siegertext liegt in allen Tiroler Raiffeisen-Filialen auf. (jole)

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