Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 07.11.2019


Bezirk Imst

Die Geschichte eines Goldlings: Silzer Heinrich Gritsch mit Romandebüt

Heinrich Gritschs erster Roman über einen Taugenichts ist gerade erschienen.

Heinrich Gritsch ist sein erster Roman durchaus gelungen.

© DornHeinrich Gritsch ist sein erster Roman durchaus gelungen.



Silz – Wer denkt, dass ein Goldling etwas besonders Wertvolles ist, der irrt gewaltig und wird in der Biografie des Steirers Franz W. gleich eines Besseren belehrt. Denn Franz W. ist durchaus einer, der gerne mal zuschlägt – selbst dann, wenn der Gegner schon am Boden liegt. Seine Lebensgeschichte beginnt in ärmlichen, ländlichen Verhältnissen in der Steiermark der Fünfzigerjahre, führt nach Innsbruck und Oetz, nach Kärnten und Wien und endet dann wieder in der Steiermark. Dazwischen liegen Schlägereien, Gefängnis, harte Arbeit und Weibergeschichten.

Aufgeschrieben hat die Geschichte aber nicht Franz W. selbst, sondern sein Imkerkollege Heinrich Gritsch, der von seinem Heimatort Silz aus die Fachwelt schon mit seinen Büchern zur Imkerei und alle anderen mit seinem Werk „Letzte Zeugen erinnern“ begeistert hat (aus diesem wird er übrigens am kommenden Montag bei einer Zeitfensterveranstaltung im Gemeindesaal Mieming ab 20 Uhr vorlesen).

„Der Goldling. Das Leben ist ein Abenteuer“ ist sein erster Roman und trotzdem fällt gleich auf, dass Gritsch es nicht nötig hat, sprachlich zu reduzieren. Er beginnt vom ersten Satz an mit schlichten Worten eine Erzählung, in der kein Platz zu sein scheint für Mitleid oder Mitgefühl. Denn solches hat sein Protagonist auch nicht verdient. Dass der Roman trotzdem zu keinem derben Zuhälterroman verkommt, liegt wohl daran, dass Gritsch mit feiner Feder so manches Detail herausarbeitet, das ihm im Gespräch mit seinem Romanhelden wert genug war, näher betrachtet zu werden. Und so erfährt der Leser dann auch, wie es bei einem steirischen Sauschädlball zuging, wie sich steirische und jugoslawische Arbeiter auf Baustellen in Tirol untereinander verstanden oder er erhält Einblicke ins Innsbrucker Rotlichtmilieu und in Oetzer Tourismusbetriebe der 70er-Jahre. Der Roman erzählt insgesamt also auch ein Stück österreichischer Geschichte, das sich nicht den staatstragenden Ereignissen widmet, sondern jener Kultur, die von Wirtshausschlägereien, der Arbeiterwelt oder dem Tourismus genährt wird.

Nach zwei Lesungen in der Steiermark (unter anderem auch in der Heimatgemeinde von Franz W.) wird Heinrich Gritsch seinen Roman vermutlich auch im Oberland präsentieren. Im März will Heinrich Gritsch in Silz aus dem Leben des Goldlings vorlesen. Der Roman, der im united p.c.Verlag erschienen ist, ist übrigens bereits im Handel erhältlich. (ado)

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