Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 05.01.2014


Literatur

Strauss ganz nah

© © Peter Strobl



Innsbruck – Er gehört zu den fünf meist gespielten Opernkomponisten der Welt und ist einer der musikalischen Jahresregenten 2014: Am 11. Juni vor 150 Jahren wurde Richard Strauss (1864–1949) geboren. Eine langjährige Liebesbeziehung verband ihn mit den Wiener Philharmonikern, die am vergangenen Neujahrstag erstmals ein Strauss-Werk in das Programm ihres Neujahrskonzertes einflochten, um ihn zu ehren.

Für März 2014 sind einige vermutlich gewichtige Strauss-Veröffentlichungen angekündigt, etwa von den renommierten Verlagen Böhlau, C.H. Beck und Metzler (Richard Strauss-Handbuch). Eine gute Einübung dazu ist Christoph Wagner-Trenkwitz’ bereits vorliegender Band „Sie kannten Richard Strauss“, in dem er das „Genie in Nahaufnahme“ dokumentiert. Der Chefdramaturg der Wiener Volksoper und Autor hat zusammengetragen, was direkt an den Komponisten, Ehemann, Vater und Großpapa sowie an das lebhafte strauss’sche Famlienleben heranführt. In einem Briefwechsel der Eheleute werden Richards Zuneigung und Gattin Paulines legendäre schräge Launen offenbar. Dennoch war sein „Bauxerl“ für ihn unverzichtbar.

Literaten kommen zu Wort und in früheren Interviews Künstler, die mit dem Komponisten zu tun hatten. Ein Spot richtet sich auf Dirigent Karl Böhm, der darunter litt, dass ihm Kollege Clemens Krauss beim Meister einen Schritt voraus war. Strauss’ Enkel Richard und Christian konnten übrigens den braven Bubi Karlheinz Böhm absolut nicht leiden …

Die Erinnerungen der Enkel – das letzte Interview mit Christian, Jahrgang 1932, fand im Sommer 2013 statt – stehen im Mittelpunkt des Buches, das auch das Verhältnis des Komponisten zum Nationalsozialismus spiegelt. (u.st.)

Christoph Wagner-Trenkwitz, Sie kannten Richard Strauss. Ein Genie in Nahaufnahme. Amalthea Verlag, 224 Seiten, 22,95 Euro.




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