Letztes Update am Mo, 30.10.2017 10:41

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Medien

APA beteiligt sich an neuer Schweizer Nachrichtenagentur

Die APA – Austria Presse Agentur und die Schweizerische Depeschenagentur (sda) rücken in ihrer Zusammenarbeit und auf Gesellschaftsebene wesentlich näher zusammen: Die Schweizer Nachrichtenagentur verschmilzt mit der Bildagentur Keystone zur integrierten KEYSTONE_SDA-Gruppe. Damit wird die bereits bisher über das gemeinsame Tochterunternehmen Keystone verbundene APA per Jahreswechsel mit 30 Prozent am Aktienkapital zum größten Einzelaktionär der neuen Schweizer Nachrichtenagentur.



Wien - In der Schweiz steht eine Neuordnung des Nachrichtenagenturgeschäfts unter maßgeblicher Beteiligung der APA - Austria Presse Agentur bevor. Die Schweizerische Depeschenagentur (sda) fusioniert mit der Bildagentur Keystone - einer gemeinsamen sda/APA-Tochter. Die APA wird im Zuge eines Beteiligungstausches 30 Prozent an der neuen KEYSTONE_SDA halten und deren größter Gesellschafter.

APA und sda halten seit rund zehn Jahren je die Hälfte an Keystone. Ziel der nun geplanten Fusion mit sda ist eine „integrierte multimediale Belieferung“ der Schweizer Kunden, hieß es am Montag in einer Mitteilung der Unternehmen. Die Transaktion braucht die Zustimmung der jeweiligen Wettbewerbsbehörden sowie der Generalversammlungen von Keystone AG und sda AG. Somit soll sie im zweiten Quartal 2018 rückwirkend zum 1. Jänner 2018 vollzogen werden.

APA-CEO Pig: „Echte Win-win-Lösung“

Clemens Pig, CEO und geschäftsführender Vorstand der APA, sieht eine „neue, europaweit einzigartige Verschränkung von Nachrichtenagenturen“ und für alle drei Beteiligten eine „echte Win-win-Lösung“ - nicht zuletzt, weil die APA ihre technologische Kompetenz im Rahmen einer „langfristigen IT-Kooperation“ einbringen werde.

sda-CEO Markus Schwab sieht den Zusammenschluss auch als Reaktion auf gewandelte Kundenbedürfnisse und Grundlage für die „strategische Weiterentwicklung des Unternehmens: „Wir wollen unseren Kunden qualitativ hochstehende, multimediale Informationsprodukte aus Text, Bild, Infografik und Video anbieten“. In Zeiten der Digitalisierung sei „die Bündelung von Kompetenzen ein für Medienhäuser wichtiger Schritt“, so sda-Verwaltungsratspräsident Hans Heinrich Coninx. „Dass die APA im Rahmen dieser Fusion ihre umfassende Technologiekompetenz in die neue KEYSTONE_SDA-Gruppe einbringt, ermöglicht uns die aktive Mitgestaltung dieser Entwicklungen.“

Petz: „Voll-Agentur mit neuer strategischer Aufstellung“

Zufriedenheit herrscht auch bei den Eigentümervertretern der APA: Vorstandsvorsitzender Hermann Petz (Moser Holding) und Aufsichtsratsvorsitzender Alexander Wrabetz (ORF) betonten, die neue Beteiligung stelle einen „durch die langfristige IT-Kooperation einen Meilenstein in der Internationalisierung“ der Agentur dar. Man sei erfreut über „die partnerschaftliche Realisierung dieses länderübergreifenden Beteiligungs- und Technologie-Projektes“.

Durch die Fusion von Keystone und sda entsteht eine „Voll-Agentur mit neuer strategischer Aufstellung“, sagt Petz. Deren Beteiligung, vor allem durch die IT-Kooperation, werde „wesentliche Synergie-Effekte für beide Seiten erzeugen“, meint er im APA-Gespräch. APA-CEO Clemens Pig erwartet sich „ein dynamisches Wachstum der neuen Gesellschaft“.

„Im Unterschied zu anderen Märkten erbringt in der Schweiz derzeit die sda im Wesentlichen die Textbelieferung. Die visuelle Berichterstattung - Bild, Grafik, Video - wird über das Tochterunternehmen Keystone abgewickelt“, umreißt Pig die Ausgangslage. Bei der Analyse der künftigen Strategie für die Keystone seien die Eigentümer APA und sda „unisono zu dem Schluss gekommen, dass es in einer vernetzten Informationswelt künftig möglich sein soll, ein integriertes Angebot aus einer Hand zu bieten. Wenn man dem stringent folgt, liegt eine Zusammenführung auf Gesellschaftsebene nahe.“

In Folge brauche es auch Überlegungen, „welche weiteren Optionen eine zukunftsorientierte Nachrichtenagentur“ hat. „Hier kann die APA sehr große technologische Kompetenz einbringen“, sagt Pig. Die Dienstleistungsverträge der neuen Gesellschaft mit der APA-IT-Tochter seien „konstitutiv für die Gesamtvereinbarung“. Damit könne die neue Schweizer Gruppe „schlagartig vom gesamten Entwicklungsstand der APA und der APA-IT“ profitieren. Dies werde auch dabei helfen, stärker auf Drittmärkte zu fokussieren: „Mit der Technologie der APA im Hintergrund erwarten wir ein dynamisches Wachstum dieser neuen Gesellschaft.“

Denn die Frage nach der zukünftigen Finanzierung abseits vom Inhalte-Verkauf werde für jede Nachrichtenagentur zentrales Thema werden. Die APA habe dies früh antizipiert, neben der IT hat man auch mit Medienbeobachtung und -analyse und mit PR-Dienstleistungen starke zusätzliche Standbeine. „Die APA hat sehr innovative Geschäftsmodelle als integrierte Lösungen entwickelt“, meint auch Petz. „Durch den gleichzeitigen Kooperationsvertrag kann die sda diese Modelle schnell und effizient einsetzen und für die APA entstehen gleichzeitig Skalenvorteile.“

Synergien auf redaktioneller Ebene dagegen sind überhaupt nicht angedacht, betont Pig auf eine entsprechende Frage: „Nein, das war nicht Teil der Überlegungen. Die Austauschverträge bleiben natürlich aufrecht. Aber redaktionelle Zusammenarbeit war nicht die Zielsetzung.“

Internationale Zusammenarbeit im im Technologie-Bereich

Sehr wohl ein strategischer Ansatz für die APA aber sei, „zu schauen, wie man neue Wege im Beteiligungsmanagement gehen kann, um sich innerhalb der Nachrichtenagenturen wechselseitig zu stärken“. Das heißt nach Pigs Ansicht nicht immer gleich eine gesellschaftsrechtliche Verschränkung. Die APA habe „keine Shoppingliste“, meint er, auch Petz hält fest: „Die internationale Tätigkeit der APA ist auf den DACH-Raum fokussiert und die APA-Strategie ist nachhaltig darauf ausgerichtet.“

Pig geht aber davon aus, dass die Nachrichtenagenturen international stark im Technologie-Bereich zusammenarbeiten werden. „Wenn eine Agentur bereits eine fertige Lösung hat, muss dieses Service nicht in einem anderen Land erneut ausprogrammiert werden. Wir werden mit Plattformen und Lizenzierungen arbeiten - und auch gemeinsam an Fragestellungen und neuen Entwicklungen arbeiten. Die internationale Perspektive wird auf der Ebene der Kooperationen deutlich an Fahrt gewinnen.“