Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 02.05.2018


Ausstellung

Jetzt neu: Alte Werbung in Innsbruck

Das Projekt „Kein Schwindel“ taucht ein in die Vergangenheit der Werbung. Die Ergebnisse werden nicht nur in einer ambitionierten Schau präsentiert, sondern dringen als Zeitzeugen auch in den öffentlichen Raum vor.

© Johannes FelderEin Projekt, das über den Ausstellungsraum hinausreicht: etwa als Plakatwand im Stadtraum.



Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – „Kein Schwindel!“, „Ist die beste!“, „Bringt Lebenslust und Schaffenskraft!“. Slogans alter Werbung wirken in Zeiten von Produktplatzierungen und Influencermarketing heute meist mehr als überholt. Dass sich an der grundlegenden Botschaft von Werbung allerdings im Laufe der Zeit nicht viel geändert hat, zeigt ein aktuelles Projekt im Innsbrucker Wei Sraum. In „Kein Schwindel – Jetzt neu: Alte Werbung“ wurden dafür 2405 Anzeigen der Innsbrucker Nachrichten zwischen 1854 und 1944 genauer unter die Lupe genommen.

Das Projekt des Kulturanthropologen Richard Schwarz soll vor Augen führen, worin die modernen Methoden der Werbewirtschaft wurzeln. Dafür wurde die historische Untersuchung in seiner Masse an Einschaltungen im Wei Sraum digital einsehbar gemacht, außerdem wurden die Ergebnisse der Studie zeitgemäß aufbereitet. In Zusammenarbeit mit Stefanie Blasy wurde die ambitionierte Ausstellung installiert und auch die begleitende Publikation erarbeitet.

In weiterer Folge bietet die Ausstellung eine indirekte Form der Gesellschaftsanalyse: Werbung wird zum Zeitzeugnis. Historische Umbrüche lassen sich anhand der Werbeeinschaltungen ablesen. So referieren etwa in den 1940ern Inserate auf den Krieg und werden zugleich für Propagandazwecke genutzt. An den untersuchten Inseraten lässt sich die Entwicklung des Grafikdesigns weg vom reinen Text hin zu Bildelementen nachvollziehen. Genauso wie der sprachliche Bereich sich veränderte: Unser heutiges Markenverständnis wurde in dieser Zeit erst geprägt.

Ein derart umfangreiches Thema zugänglich zu machen, war die größte Herausforderung des Projekts. Entstanden ist eine moderne Schau, die diese Aufgabe meistert und auch Mehrwert schafft: Als Displayelemente werden in der Schau aktuelle Medien verwendet, alte Werbesujets schleichen sich in heutige Printmedien, tauchen online als Werbebanner auf und halten sogar Einzug in den öffentlichen Raum. Brückenschläge in die Vergangenheit, die es uns ermöglichen, von früher kritisch auf unser Heute zu blicken.