Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 12.07.2018


Exklusiv

Viele Namen im Rennen um den ORF-Chefsessel

Beim Tiroler ORF-Ableger werden der Direktorposten und die Chefredaktion neu besetzt – eine Menge Stoff für die Gerüchtebörse.

© Elena Reinthaler / TTIm ORF-Landesstudio Tirol in Innsbruck wird im Jänner ein neuer Direktor das Ruder übernehmen. Foto: Reinthaler



Von Markus Schramek

Innsbruck – Wer wird nächster Direktor des ORF Tirol? Die Gerüchtebörse brodelt auf das Heftigste. Kein Wunder, ist doch einer der Top-Jobs der Tiroler Medienszene in Bälde zu besetzen. Noch-Funktionsinhaber Helmut Krieghofer (66), vormals auch Journalist, ÖVP-Politiker und Versicherungsdirektor, räumt mit Jahresende den Chefsessel im Landesstudio am Innsbrucker Rennweg. Krieghofer geht in Pension, obwohl sein Vertrag erst 2021 ausläuft. Wenn sich gar kein geeigneter Nachfolger findet, könnte der Ist-Chef auch weitermachen.

Davon ist freilich nicht auszugehen. An Interessenten wird es nicht mangeln, auch wenn sich vorerst noch niemand aus der Deckung wagt. „Wer sich zu früh bewegt, verliert – wie beim Mikado“, beschreibt ein Insider die beim ORF üblichen Usancen.

Der Direktorposten soll im August ausgeschrieben werden, ehe im Herbst die Entscheidung fällt. Potenzielle Kandidaten haben sich jedoch den 19. Juli vorgemerkt: Da legt ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz auf dem Rückweg von den Bregenzer Festspielen einen Stopp in Tirol ein. „Dabei werden von Wrabetz Signale erwartet, wer sich bewerben soll“, sagt der schon erwähnte Insider.

Beim Sommerfest des ORF kürzlich in Innsbruck war die Personalsuche beliebtes Thema für Klatsch und Tratsch. „Es tauchten ständig neue Namen auf“, berichtet ein Gast dieser groß angelegten Festivität. Die Direktorin der Wirtschaftskammer, Evelyn Geiger-Anker, wie Krieghofer aus Osttirol stammend, ist schon länger als mutmaßliche neue Chefin am Rennweg im Gespräch. Zur ihr gesellen sich viele weitere – mehr oder weniger plausible – mögliche Anwärter auf den Direktorposten: Peter Fritz, ORF-Korrespondent in Brüssel. Andreas Pfeifer, Südtiroler und Außenpolitikchef des ORF-Fernsehens in der Wiener Zentrale. Weiters Roland Tanzer, Marketingchef im ORF Tirol, sowie Stefan Lassnig, selbstständiger Medienexperte. Auch Josef Margreiter, seit ewigen Zeiten Kopf der Tirol Werbung, wird mit dem hiesigen ORF in Zusammenhang gebracht, ebenso Florian Kurzthaler. Als Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des Landes Tirol ist Letzterer gleichsam das Sprachrohr von ÖVP-LH Günther Platter.

Nicht nur für Kurzthaler gilt: Ein guter Draht zum Tiroler Regierungschef ist für die Bewerbung von Vorteil. Bestellt wird der neue Landesdirektor (bzw. -direktorin) zwar von ORF-General Wrabetz höchstpersönlich. Der LH hat aber ein Anhörungsrecht. Gegen den Willen des Landeshauptmanns erklimmt üblicherweise kein Neuer die ORF-Spitze im Lande.

Fix ist aber nur so viel: Der oder die Neue soll am 1. Jänner 2019 den Dienst in Innsbruck antreten. Und Krieghofers Nachfolger(-in) hat dann unverzüglich selbst eine Personalkür zu leiten: die Neubesetzung der Chefredaktion im Landesstudio Tirol.

Noch-Redaktionschefin Brigitte Gogl verlässt das Haus im Sommer auf eigenen Wunsch. Interimistisch leitet ab September der erfahrene Redakteur Robert Unterweger die Redaktion. Ihm werden gute Chancen eingeräumt, nach erfolgter Ausschreibung Anfang nächsten Jahres fix als Chefredakteur installiert zu werden.

„Im Moment hat außer Unterweger niemand große Lust, sich diesen Job anzutun“, ist aus dem ORF-Kollegium zu erfahren. Sybille Brunner, die sich – wie Unterweger – schon letztes Mal für die Chefredaktion beworben hatte, werden geringe Chancen eingeräumt. Ihr hängt immer noch die missglückte TV-Reportage über den FPÖ-Landtagswahlkampf nach.

Ist der oder die neue Lan-desdirektor(-in) einmal bestellt, werden die Karten aber ohnehin neu gemischt. „Als Chefredakteur musst du den Landesdirektor hinter dir haben, sonst bist du verloren“, heißt es im Mitarbeiterstab des Hauses am Rennweg.




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