Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 21.11.2018


Tirol

Medientag in Innsbruck: Nicht alles mit der Welt teilen und kritisch bleiben

Zwischen Fake News, Propaganda-Blättern und objektiven Nachrichten — Experten diskutierten am Dienstag in Innsbruck über die neue Medienvielfalt.

© Thomas Boehm / TT



Von Matthias Christler

Innsbruck – Es passiert schneller, als man denkt, und schon hat man das Netz der Lügen weitergesponnen. So berichtete es gestern ein Teilnehmer des Medientages 2018 an der Universität Innsbruck: „Es war mein erster Tag auf Facebook und ich teilte eine Meldung über ein Einreiseverbot in die USA“, erzählte Medienwissenschafter Anthony Löwstedt. Die Meldung habe nicht gestimmt. „Ich bin auf Fake News reingefallen, weil ich reflexartig und unreflektiert reagiert habe“, gestand er. Wenn das nur einem passieren würde, wäre der Schaden nicht groß. Doch gezielt verbreitete „alternative Fakten“ und Lügen werden millionenfach geteilt.

Über die Herausforderung durch die Vielfalt medialer Formen – von sozialen Medien über Verschwörungs-Websites und Propaganda-Blätter im Gewand normaler Zeitungen bis zu seriösen, kritischen Medien – wurde gestern an der Universität in Kooperation mit der Tiroler Tageszeitung und der Austria Presse Agentur diskutiert.

Falter-Journalistin Nina Horaczek brachte als Beispiel Italiens Innenminister Salvini, der sich durch seine Präsenz in sozialen Medien kritischen Fragen entzieht. „Für ihn ist es einfacher, ein Facebook-Video zu posten, als mit einem Journalisten zu reden.“ Sie sprach in ihrem Vortrag über die Medienvielfalt in Europa zwischen Druck und Rechtsruck. Die Kontrollfunktion, die Journalisten ausüben, sei den Menschen gerade jetzt wichtig. APA-CEO Clemens Pig gab deshalb ein Plädoyer für den Beruf des Journalisten ab, als vierte Säule der Demokratie. „Und bei aller Liebe zu digitalen Medien, wenn es darum geht, Themen wirklich gut aufbereitet zu bekommen, geht man zu klassischen Journalisten“, sagte er. Dass guter Journalismus nur auf einem soliden finanziellen Fundament aufbauen kann, darüber waren sich die Experten einig. Zuversichtlich zeigte sich Hermann Petz, CEO der Moser Holding: „Neben der Globalisierung gibt es wieder eine Hinwendung zum Regionalen, das bietet viele regionale Geschäftsmodelle, mit denen man eine wirtschaftlich solide Basis für Qualität schaffen kann.“ Das habe sich bereits bei den deutlichen Zuwächsen der Tiroler Tageszeitung bei Print und Online gezeigt.

Immer wieder wurde am gestrigen Medientag auf die Situation in Ländern wie Ungarn oder Polen verwiesen, in denen regierungskritische Zeitungen von Informationen abgeschnitten werden, wie die polnische Wissenschafterin Agnieszka Szymanska erklärte. Nina Horaczek sprach in diesem Zusammenhang die Mail aus dem österreichischen Innenministerium an, aus der hervorgegangen war, dass kritische Medien nur noch mit den nötigsten Informationen versorgt werden soll. Trotzdem bleibt auch sie zuversichtlich: „Wir leben in einem freien Land mit einer funktionierende Demokratie, Presse- und Meinungsfreiheit, aber das sind Dinge, auf die wir alle sehr gut aufpassen müssen.“