Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 09.05.2019


Zentralmatura

TT-Artikel als Vorlage für die Deutschmatura

Literatur, Fotografie oder die Verrohung der Sprache: Bei der Deutschmatura konnten rund 45.000 Schüler aus drei Themen wählen – darunter auch ein Bericht der Tiroler Tageszeitung.

Im dritten Aufgabenpaket „Die Macht der Sprache“ sollten die Schüler eine Meinungsrede zu einem in der Tiroler Tageszeitung erschienenen Artikel schreiben.

© FaksimileIm dritten Aufgabenpaket „Die Macht der Sprache“ sollten die Schüler eine Meinungsrede zu einem in der Tiroler Tageszeitung erschienenen Artikel schreiben.



Innsbruck, Wien – Es ist ein aktuelles und viel diskutiertes Thema, das da am zweiten Tag der Zentralmatura zur Wahl stand: „Die Macht der Sprache“ und besonders der rauer werdende Ton in immer mehr Bereichen des Lebens beschäftigt Politikbeobachter wie Pädagogen.

Bei ihrer fünfstündigen schriftlichen Klausur in Deutsch konnten Schüler in ganz Österreich dazu einen Text über die Funktionen von Sprache in der Politik wiedergeben und die Merkmale politischer Kommunikation beschreiben. Vorlage war ein Sachtext von der Website der deutschen Bundeszentrale für politische Bildung. Zweite Textbeilage war der im Magazin der Tiroler Tageszeitung und unter www.tt.com online erschienene Bericht „ ,Geht’s noch?‘ Wie Worte wirken“ über eine Initiative, die auf die Verrohung der Sprache aufmerksam macht. Aufgabe der Schüler war es, eine Meinungsrede mit dem Titel „Worte wirken!“ dazu zu verfassen.

In dem Bericht, der bereits im September 2016 erschienen ist, geht es um ein Manifest, ausgearbeitet von 60.000 Pädagogen, gegen die alltäglich gewordene verbale Entgleisung in den Klassenzimmern und darüber hinaus. Die Initiative mit dem Namen „Haltung zählt“ – sie ging vom Bayerischen Landeslehrerverband aus, der größten Pädagogenorganisation in Deutschland – warnte vor drei Jahren vor der Gefahr dieser Entwicklung der Tabubrüche. Denn die Sprache beeinflusst Denken und Handeln, sind die Lehrer überzeugt, die sich schockiert zeigen über Ausdrücke voller Hass. Doch nicht die Kinder und Jugendlichen seien daran schuld, sondern ihre Vorbilder – die Erwachsenen.

In einem bei der Matura nicht berücksichtigten Absatz des Berichts meinte die bekannte österreichische Sprachwissenschafterin Ruth Wodak, dass die Zahl der persönlichen Angriffe vor Wahlen zunehme – nicht nur in den USA, sondern auch in Österreich. „Ins rechte Lager tendierende Bewegungen neigen stark dazu, ihre politischen Gegner schlechtzureden, da geht es nicht mehr um eine sachliche Diskussion über divergierende Positionen und Inhalte.“ Wodak wurde 2018 mit dem vom Frauenministerium vergebenen Lebenswerk-Preis ausgezeichnet.

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Berichte der Tiroler Tageszeitung werden immer wieder als Vorlage unter anderem bei Schularbeiten verwendet.

Wie das Ministerium bekannt gibt, werden die Themen für die Zentralmatura von einer Kommission aus Deutschlehrern aus ganz Österreich ausgesucht, die Auswahl geht durch drei Instanzen: „Zuerst erstellt eine Gruppe von rund 20 Pädagogen aller vertretener Schulzweige die Aufgaben, die dann in einem zweiten Schritt von acht anderen Lehrern begutachtet werden“, berichtet Annette Weber, Pressesprecherin im Kabinett von Bildungsminister Heinz Faßmann. Im kleineren Kreis wird eine Vorauswahl festgelegt, die endgültige Entscheidung treffen Vertreter aus dem Ministerium, Wissenschafter und Lehrer dann gemeinsam.

Die beiden anderen Aufgabenpakete der Standardisierten Reifeprüfung für AHS und BHS und die Berufsreifeprüfung behandelten für den Bereich Literatur, Kunst und Kultur die Erzählung von Alfred Döblin „Der Eisschrank“ und das Thema „Die Bibliothek der Zukunft?“ sowie das Gebiet der Fotografie. Näheres: www.srdp.at. Nach der gestrigen Zentralmatura für Mathematik folgen heute Französisch, am Freitag Englisch und Anfang der nächsten Woche Latein, Griechisch und Italienisch. (ms)