Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 14.05.2019


Medien

Große Pläne für den ORF über Parteigrenzen hinweg

Höhere Budgets, mehr Personal: Die Ländervertreter des ORF pochen auf verstärkte Regionalisierung.

Geht es um die Stärkung der Landesstudios, passt kein Blatt zwischen Stiftungsrat Josef Resch (l.) und Direktor Robert Unterweger.

© ORF/FrischaufGeht es um die Stärkung der Landesstudios, passt kein Blatt zwischen Stiftungsrat Josef Resch (l.) und Direktor Robert Unterweger.



Von Markus Schramek

Innsbruck, Klagenfurt – Mit den Freiheitlichen als Juniorpartner in der Bundesregierung hat der ORF einen schweren Stand. Ein Politikum ist der staatliche Großsender zwar stets gewesen. So offen wie von Exponenten der FPÖ (Vizekanzler Strache, EU-Spitzenkandidat Vilimsky) wurden ORF-Journalisten in der Vergangenheit aber noch selten attackiert, zumal von einer Regierungspartei.

Parteipolitisch durchsetzt ist auch der Stiftungsrat des ORF, eine Art Kontrollorgan mit 35 Mitgliedern. Auch jedes Bundesland ist mit einem Abgesandten vertreten. Tirols Stiftungsrat ist Josef Resch, vormals Chef des Innsbrucker Tanzsommers und nunmehr Geschäftsführer des Operettensommers in Kufstein.

Resch ist parteilos, doch er wird dem ÖVP-Lager zugerechnet. Schließlich stammt er aus dem konservativen Tirol. Auch fünf weitere Ländervertreter entstammen dem schwarzen Lager. Dazu kommen noch zwei Rote (Wien, Burgenland) und ein Freiheitlicher (Kärnten). Letzterer ist ein Überbleibsel des einst von der FPÖ geführten Bundeslandes, das nun von der SPÖ regiert wird.

Apropos Kärnten. Dort, genauer gesagt an den Gestaden des Wörthersees, kommen die neun Stiftungsräte der Länder heute zu einer Tagung zusammen. Es herrscht Einigkeit über die Parteigrenzen hinweg. Die neun haben sich auf ein „Zielprogramm“ verständigt, mit durchaus ehrgeizigen Vorschlägen.

Die Regionalität des ORF, ein quotenträchtiger Trumpf des Senders, soll massiv ausgebaut werden: mehr Autonomie und Eigenständigkeit für die Landesstudios, mehr Personal für mehr lokale Sendungen und, als logische Folge, viel mehr Geld.

Auch eine zweite lokale Infosendung im Fernsehen, eine Art kurzes „Bundesland heute“ mit Beginn um 21.55 Uhr direkt vor der viel beachteten ZiB 2, wird als Maßnahme zur Aufwertung der Länder gefordert.

Die ORF-Landesdirektoren, unter ihnen der seit Jänner in Amt und Würden befindliche Tiroler Robert Unterweger, werden solcherlei Vorschläge gerne vernehmen. Sie tun dies aus nächster Nähe. Denn auch die neun Direktoren sind nach Kärnten zur Konferenz am See eingeladen.

Tags darauf treffen dann die Landeshauptleute zur turnusmäßigen LH-Konferenz unter Kärntner Vorsitz am Weingut Burg Taggenbrunn bei St. Veit an der Glan ein. Sie werden sich ein weiteres Mal für die von der FPÖ in Frage gestellte Beibehaltung der GIS-Finanzierung des ORF starkmachen. Denn ein Teil dieser ORF-Gebühren fließt in die Kulturbudgets der Länder.

Gegen die von den Länder-Stiftungsräten forcierte Stärkung der Landesstudios werden die versammelten Regierungschefs wohl keinen Einwand erheben. Fraglich ist aber, ob der (SPÖ-nahe) ORF-General Alexander Wrabetz die notwendigen Mittel und die politische Kraft dazu aufbringen kann. In stürmischen Zeiten wie diesen.




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