Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 30.09.2019


Ausstellung

„Breaking Types“: Die Entstehung der Schrift vermitteln

Eine kleine Schau im WEI SRAUMforum beschäftigt sich mit der Entwicklungsgeschichte der Typografie.

Markus Weithas (l.) und Kurt Höretzeder (r.) sind die Kuratoren der Ausstellung „Breaking Types“ und Experten für Schriftdesign.

© TamerlMarkus Weithas (l.) und Kurt Höretzeder (r.) sind die Kuratoren der Ausstellung „Breaking Types“ und Experten für Schriftdesign.



Von Gerlinde Tamerl

Innsbruck – Einer Überlieferung zufolge soll Kaiser Maximilian I. Hunderte Flugblätter von einem Kirchturm abgeworfen haben, um auf einen Schlag möglichst vielen Leuten seine politischen Ideen zu übermitteln. Hätte es WhatsApp oder Facebook damals schon gegeben, gewiss wäre der „letzte Ritter“ und Meister der Selbstinszenierung von diesen Medien begeistert gewesen.

Die Ausstellung „Breaking Types“, die derzeit im WEI SRAUMforum gezeigt wird, beschäftigt sich anlässlich des 500. Todestages von Kaiser Maximilian I. mit dem autobiografischen Werk des letzten Ritters, das sich „Theuerdank“ (1517) nennt. „Es war Maximilians geheimes Buchprojekt, das erst nach seinem Tod erscheinen sollte“, erklären die beiden Kuratoren Markus Weithas und Kurt Höretzeder. Kein Wunder, denn die darin enthaltenen Geschichten wurden mit viel Fantasie ausgeschmückt und feiern den Kaiser als großen Kriegshelden. Maximilian I. nutzte also das damals neue Medium des Buchdrucks, um das Ansehen seiner Dynastie zu steigern.

Ein eigenes Corporate Design ist heutzutage eine Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Unternehmen. Zur Zeit von Maximilian I. war es ein Novum, dass er sich sogar für sein autobiografisches Werk eine eigene Schrift, die so genannte Frakturschrift, designen ließ.

Die didaktisch gut konzipierte Ausstellung, für Schülerinnen und Schüler perfekt geeignet, zeigt außerdem kurz und prägnant in einem Raum die Stationen der Schriftentwicklung. An Tafeln werden einzelne Schrifttypen ausgehend von der Frakturschrift bis zu modernen Schriften vorgestellt. Gleichzeitig wird das intellektuelle Umfeld Kaiser Maximilians I. erklärt und in einen globalen Zusammenhang gestellt. Im Rahmen der Schau gibt es auch Begleitveranstaltungen, die die Lust an der Typografie wecken sollen.