Letztes Update am Mi, 06.11.2013 14:34

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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ORF-Publikumsrat empfiehlt Ablehnung des Sendeschemas 2014

Das Fernsehbudget wird um 33,5 Millionen Euro niedriger als ursprünglich geplant aussehen. Kürzungen soll es bei Eigenproduktionen und ORF Sport + geben.

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© APA/HARALD SCHNEIDER(Symbolfoto)



Wien – Ein düsteres Bild von der ORF-Programmzukunft hat am Mittwoch ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner bei der Präsentation des Jahressendeschemas 2014 vor dem ORF-Publikumsrat gezeichnet. Nach derzeitigem Stand, also ohne Fortsetzung der Gebührenrefundierung durch die öffentliche Hand, wird das Fernsehbudget mit 272 Mio. Euro um 33,5 Mio. Euro niedriger ausfallen, als man ursprünglich geplant hatte. Konkret bedeute dies die bereits bekannten Einsparungen beim Spartenkanal ORF Sport +, den Wegfall des Herbstevents sowie die Einstellung der Eigenproduktionen am Mittwochabend jeweils in ORF eins. Der Publikumsrat stimmte einem Antrag auf Ablehnung des Schemas mehrheitlich zu.

Fernsehdirektorin Zechner: „Zaubern können auch wir nicht“

In den Zeiten der Refundierung habe man weit mehr Aufgaben erfüllt, als damit ursprünglich vorgesehen waren, so Zechner in ihren Erläuterungen. Das würde der ORF auch gerne weiterhin tun, doch es sei „logischerweise nicht mehr in dem Maß“ möglich. „Zaubern können auch wir nicht. Aber wir stellen uns dem professionell, mit knappsten Ressourcen. Wir haben keine Fettschichten mehr“, betonte Zechner. Es gehe darum, dem Publikum „ein breitest möglichstes, unterscheidbarstes, vielfältigstes und hochwertigstes Programm“ anzubieten.

Verringern werde man auch die Eigenproduktionen im Kinderprogramm, hinzu kommt die Streichung der Kinder-Mittagsleiste, wobei dies aus planerischen Gesichtspunkten passiere. Dort laufen derzeit Wiederholungen. Stattdessen wolle man den Fokus auf jene Zeiten richten, „wo wir Kinder und Eltern erreichen“, erklärte die Fernsehdirektorin. Im Dezember werde darüber hinaus eine eigene Kinder-App präsentiert, zusätzlich mit KiKa über eine mögliche Kooperation weiterverhandelt. Der Mittwochabend in ORF eins soll künftig wieder mit Kaufserien bespielt werden.

Ausgesetzt sind vorerst Fortsetzungen von Formaten wie „Wahlfahrt“ oder Serien und Filmreihen wie „Schnell ermittelt“, „Polt“ oder „Rex“. Auch die jüngst eingeführte Landkrimi-Reihe steht Zechner zufolge unter keinem guten Stern. „Wir werden uns anstrengen müssen, um den einen oder anderen Landkrimi alle zwei Jahre zu schaffen.“ Eine eigenproduzierte Sitcom bzw. Serie für Sendeplätze am Mittwoch und Freitag könnten derzeit ebenfalls nicht in Angriff genommen werden. „Mit reduziertem Programm wird logischerweise die Reichweite sinken“, gab Zechner zu bedenken, die in weiterer Folge auf sinkende Werbeeinnahmen verwies.

Publikumsrat: „Nicht am Programm, sondern für das Programm sparen

Der Publikumsrat sah auf Basis dieser Ausführungen mehrheitlich die Notwendigkeit, der Politik klar zu machen, eine Gebührenrefundierung im Sinne des Programmangebots fortzuführen. Der ÖVP-nahe Publikumsrat Andreas Kratschmar betonte aber gleichfalls, dass „mehr Geld nicht automatisch eine höhere Quote“ bedeute. Er wünscht sich vielmehr eine „radikale Contentstrategie“ zur Zukunftssicherung und forderte die ORF-Geschäftsführung auf, „nicht am Programm, sondern für das Programm zu sparen. Dafür sind alle bestehenden Einsparungspotenziale zu lukrieren.“

Die Empfehlung einer Ablehnung des Sendeschemas, die letztlich aber der Stiftungsrat als oberstes ORF-Gremium zu treffen hätte, ging wiederum auf einen Antrag des SPÖ-nahen Publikumsrat Willi Mernyi zurück. „Vor einer Situation, wie wir sie jetzt haben, sind wir noch nie gestanden.“ Ihm wie den restlichen Räten war wichtig zu betonen, dass sich die ablehnende Haltung gegenüber dem Schema nicht gegen den ORF, sondern an die Politik richte. „Der ORF wird hier gezwungen, sich von den Wünschen und Bedürfnissen des Publikums zu entfernen“, so Mernyi.

Auch der Vorsitzende des Publikumsrats, Hans Preinfalk, verwies auf die „hervorragende Arbeit“ der Programmmacher unter diesen Rahmenbedingungen. „Es ist keine Frage, dass die Geschäftsführung und der Stiftungsrat aber dem entsprechen müssen, was an finanziellen Gegebenheiten da ist“, gab er zu bedenken. Einstimmig wurde vom Publikumsrat ein Antrag bezüglich des Kinderprogramms angenommen, der von Einsparungen in diesen Bereich abrät. (APA)