Letztes Update am Mo, 02.02.2015 09:03

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Interview

Wo Moderatoren am Tisch liegen

Die „ZiB 2“ feiert ihren 40. Geburtstag. Anchorman Armin Wolf im Gespräch über Bildungsauftrag, Planking und Versuche, die Nachrichtensendung „in den Griff zu bekommen“.

© ORFArmin Wolf reagiert in der Sendung auf Internettrends.



Am 3. Februar werden die „ZiB 2“-Highlights der vergangenen 40 Jahre präsentiert, was sind Ihre Höhepunkte?

Steckbrief

Armin Wolf, 1966 in Innsbruck geboren, begann seine Karriere beim ORF Tirol. Seit 2002 moderiert er die „ZiB 2“. Für seine Live-Interviews wurde der stellvertretende Chefredakteur der ORF-TV-Information mehrfach ausgezeichnet. Der promovierte Politikwissenschafter zählt hierzulande nach David Alaba die meisten Follower auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Wolf lebt mit Familie in Wien.

Armin Wolf: Eine Moderation von Robert Hochner zum Gentechnik-Volksbegehren in den 1990ern, die ungefähr so begonnen hat: „Das ist eine seltsame Sache mit den Genen. Wir alle bestehen aus ihnen, aber keiner will welche essen.“ So was konnte nur der Robert.

Worauf sind Sie als Moderator der „ZiB 2“ stolz und was würden Sie gerne anders machen?

Wolf: Ich würde jedes einzelne Interview im Nachhinein anders machen. Manche nur ein bisschen, manche fast ganz. Und mein Chef vom Dienst hätte gerne, dass ich nicht jede Sendung überziehe.

Das Interview als Form politischer Kommunikation sei gefährdet, haben Sie bereits 2006 festgestellt. Politiker sind geschult, Auswege aus Interviewsituationen zu finden. Wie empfinden Sie die aktuelle Situation?

Wolf: Ich finde, da hat sich seither nicht mehr viel verändert. Mich wundert nur, dass offenbar so viele Politiker und Berater glauben, dass diese Art zu antworten beziehungsweise nicht zu antworten, bei den Wählern gut ankommen würde. In Wahrheit empfindet es doch jeder als Wohltat, wenn er mal das Gefühl hat, ein Studiogast beantwortet tatsächlich die gestellten Fragen.

Aktionismus gehörte immer schon zur ZiB 2, ist Planking aber tatsächlich „gelebter Bildungsauftrag“, wie ORF-Chef Wrabetz behauptete?

Wolf: Planking hat mit Bildungsauftrag natürlich gar nichts zu tun. Und die ZiB 2 ist auch keine Show. Aber ich weiß, dass sich viele Zuseher freuen, wenn es am Ende vor dem Wetter auch mal weniger ernst wird. Und ich halte es für eine große Stärke der Sendung, dass sie ein bisschen unberechenbar ist und dass so was vorkommen kann. In der ZiB 1 wäre es unvorstellbar, dass die Moderatoren am Tisch liegen.

Mit dem neuen Design sind erstmals auch die „ZiB 2“-Moderatoren in Ganzkörperaufnahmen zu sehen. Was halten Sie von diesem Design der „Informationsshow“?

Wolf: Wir sind auch mit dem neuen Design keine „Informationsshow“, sondern eine Nachrichtensendung. Wir wollten einfach unsere großen „Vidi-Walls“ besser nützen. Und wie bei jeder Designreform, auch in jeder Zeitung ist es so, dass einen manches anfangs irritiert – und nach drei Wochen haben sie keine Ahnung mehr, wie es vorher war.

Sie bitten die zahlreichen Follower auf Ihrer „personalisierten Nachrichtenagentur“ Twitter schon mal um Fragen, zum Beispiel bei Sportthemen, und verteilen schlechte Noten, wenn es keinen einzigen Tweet zur ZiB 2 gibt.

Wolf: Ich hab’ doch keine schlechten Noten verteilt. Ich habe ein bisschen ironisch gefragt, was denn los ist, weil normalerweise während der Sendung immer etliche Tweets kommen und an diesem Tag kein einziges. Twitter ist für mich als Journalist eine mittlerweile unverzichtbare Nachrichtenquelle. Und als Moderator ist es eine tolle Plattform, um für die Sendung ein bisschen Werbung zu machen, um das Wissen der vielen klugen Leute dort anzuzapfen und um sich mit den Sehern über die Sendung auszutauschen.

Welchen Einfluss werden Soziale Medien künftig auf Sendungen wie die ZiB 2 haben?

Wolf: Das weiß ich nicht, aber grundsätzlich haben die Sozialen Medien Journalisten mehr auf Augenhöhe mit ihrem Publikum gebracht. Wir sind leichter erreichbar und öffentlich kritisierbar und wenn ein Fehler passiert, wird das dort sofort diskutiert. Das macht unsere Arbeit teilweise schwieriger, aber auch viel spannender.

„ZiB 2“-Sendungschef Wagner warnte unlängst vor Bestrebungen, die „ZiB 2 in den Griff zu bekommen“. Fürchten Sie, dass die Sendung durch einen zentralen Chefredakteur oder Direktor in der ORF-Information ihre Eigenständigkeit verlieren könnte?

Wolf: Ich bin ganz schlecht im Fürchten und in den 20 Jahren, die ich hier arbeite, wurde schon mehrfach versucht, die ZiB 2 „in den Griff zu bekommen“. Das war mühsam, weil wir uns jeden Tag intern erstreiten und erkämpfen mussten, was wir am Abend senden wollten. Aber ich glaube, unser Publikum hat nicht viel davon gemerkt. Und die Chefs, die das probiert haben, sind längst alle weg – und die ZiB 2 ist noch immer da. Zur Not werden wir eben wieder jeden Tag streiten. Die einzige, die mich je „in den Griff bekommen“ hat, ist meine Frau. Und dabei wird’s auch bleiben, denke ich.

Die Fragen stellte Silvana Resch