Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 10.12.2015


Musik

Clara Luzia: Ein Licht am Ende der Blockade

Clara Luzia kommt mit neuer Spielfreude und neuem Album „Here’s to Nemesis“ am Samstag nach Innsbruck.

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© Sarah Haas



Von Silvana Resch

Innsbruck – Seit den 1990er-Jahren steht Clara Luzia Maria Humpel mittlerweile auf der Bühne, richtigen Spaß hat sie dabei aber erst seit wenigen Wochen. „Plötzlich hat es Klick gemacht“, sagt die 38-Jährige, „die Konzerte sind jetzt richtig geil.“ Bislang habe sie sich beim Gitarrespielen so auf die Akkorde konzentrieren müssen, „dass ich nie so viel vom Gig mitgekriegt habe, geschweige denn, dass ich in den Nummern emotional hätte versinken können“. Nun mache sie auch weniger Fehler, „ich habe das Gefühl, da ist noch urviel Platz nach oben“. An dieser neu gewonnenen Performance-Freude kann der Zuschauer am Samstag teilhaben, mit ihrem Projekt Clara Luzia, das Humpel seit 2006 verfolgt, wird sie samt neuem Album „Here’s to Nemesis“ im Weekender auftreten.

Mit ihrem anspruchsvollem und zugleich eingängigen Indie-Pop gilt die Singer/Songwriterin als Fixstern am heimischen Musikhimmel. Leichtfüßige Melodien mit zartem, zumeist zwingendem Drive, finden sich auch auf der neuen Platte. Stilistisch eine Abkehr vom bisherigen Kammerpop, „Sinnerman“, der Titel-Track für den Film „Das finstere Tal“, habe „die Blaupause für das neue, reduzierte Album“ geliefert, erzählt die Musikerin im TT-Gespräch. Diesmal habe sie sich ganz auf die Konstellation Gitarre, Bass und Schlagzeug konzentriert. „Ich möchte auf jedem Album was Neue­s probieren, weil ich weder mich noch mein Publikum langweilen möchte“, so die Songwriterin, die auch ihr eigenes Label Asinella Records betreibt. So düster der Song „Sinnerman“ mit seinen Tremolo-Gitarren daherkommt, so optimistisch ist die neue Platte vergleichsweise geraten. Auch wenn gleich im Opener „Cosmic Bruise“ die Rachegöttin Nemesis besungen wird. „Cosmic Bruise“, handelt unter anderem vom tragischen Todesfall der Studentin Tugçe, der 2014 für große Betroffenheit gesorgt hat. „Der letzte Trigger für den Song gewissermaßen“, erklärt Clara Luzia, die sich mit dem Gefühl, dass etwas nicht stimme, eine Weile herumgeschlagen hat. Etwa auch in Bezug auf Lampedusa, „wo Menschen vor unseren Augen ertrinken“. Doch weniger die zornige Rachegöttin habe sie beim Schreiben im Sinn gehabt, vielmehr soll eine ausgleichende Gerechtigkeit beschworen werden: „Ursprünglich lag das Augenmerk bei der Göttin auf dem Ausgleich, das hat sich erst im Laufe der Jahrhunderte verschoben.“ Das „Licht am Ende des Tunnels“, das auf ihren bisherigen Alben gefehlt habe, finde sich nun im Song „Magic“: „Wir sollten dankbar sein für das Leben und seine Wunder“, meint die gebürtige Niederösterreicherin.

Live wird die Sängerin mit Bassist pauT, der Gitarristin Lina Seybold und Schlagzeugerin Cathi Priemer spielen. Mit Priemer ist sie 2014 eine eingetragene Partnerschaft eingegangen – und auch wenn es live um die Musik gehe, so stelle sie Priemer doch gerne als ihre Ehefrau vor: „Ich bin wahnsinnig stolz, weil Cathi so gut Schlagzeug spielt.“ Das sei Priemer zwar gar nicht recht, aber das gehört eben auch zum emotionalen Versinken dazu.

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