Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 06.06.2017


Roger Waters

Dem Krieg den Kampf ansagen

Düstere Gegenwartsbefunde und Dystopien. Roger Waters klingt auf seinem neuem Album frisch wie eh und je.

Der Brite Roger Waters hat sein neues Album bei Produzent Nigel Godrich eingespielt.

© Sean EvansDer Brite Roger Waters hat sein neues Album bei Produzent Nigel Godrich eingespielt.



Innsbruck – Nein, das ist nicht das Leben, das wir wollen. Roger Waters erwartet keine Antwort auf die Frage, mit der er sein neues Album betitelt: „Is This The Life We Really Want“. Der 73-Jährige weiß: Es gibt kein richtiges Leben im falschen. 25 Jahre nach seinem letzten Solo-Album „Amused to Death“ übt sich der Brite erneut in Gesellschaftskritik. Niemand wird sich dabei ernsthaft Dezenz vom Pink-Floyd-Mastermind (neben seinem Erzrivalen, dem Gitarristen David Gilmour) erwarten, der zuletzt mit der Pop-Oper „The Wall“ auf Tour war. Die legendär-innovative britische Gruppe mit den ebenso legendären Zerwürfnissen ist längst museumsreif, im Londoner Victoria and Albert Museum ist derzeit eine Pink-Floyd-Ausstellung zu sehen. Der Titel „Ihre sterblichen Überreste“ (Their Mortal Remains) sollte aber nicht in die Irre führen.

Denn die Empörung und die Wut über den Zustand der Welt haben Waters jung gehalten. 1992 vertonte er mit „Amused to Death“ die düstere Analyse der Unterhaltungsindustrie von Neil Postman. Im Fernsehen werde sogar der Krieg zu einer Art Amüsement, so der US-Medienwissenschafter. Den „Krieg als Dauerzustand“ will Waters auf seinem neue­n Album aber nicht länger hinnehmen. „If I was God, I might have done a better job“, singt er in „Déjà Vu“ und die Streicher schwellen in alter Pink-Floyd-Manier dramatisch an. Radiohead-Produzent Nigel Godrich hat den ausladenden Sound in geordnete Bahnen gelenkt und sich dabei dezent im Hintergrund gehalten.

Wer sich vor Rock-Bombast fürchtet, sollte besser die Finger von „Is This The Life We Really Want“ lassen. Waters knüpft sich auf dem Album einmal mehr Donald Trump vor. Die unheilige Allianz von Großkapitalismus und Krieg hat der 73-Jährige seit jeher angeprangert. Nach düsteren Gegenwartsbefunden und Dystopien gibt sich Waters gegen Ende des Albums versöhnlich. Wie jeder guter Prediger weiß auch er: Nur die Liebe kann uns noch retten. (sire)

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