Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 31.10.2017


Mozarts Requiem

Der wahre beste Freund zur Glückseligkeit

René Jacobs Einspielung von Wolfgang Amadeus Mozarts Requiem mit neuer Überarbeitung der Süßmayr-Fassung.

© Peter M. Mayr/harmonia mundiNach seinen gefeierten Einspielungen von Mozart-Opern veröffentlicht René Jacobs nun in teils neuer Fassung das Requiem.



Innsbruck – „Da der Tod … der wahre Endzweck unseres Lebens ist, so habe ich mich seit ein paar Jahren mit diesem wahren besten Freund der Menschen so bekannt gemacht, dass sein Bild nicht allein nichts Schreckendes mehr für mich hat, sondern recht viel Beruhigendes und Tröstendes, und ich danke meinem Gott, dass er mir das Glück gegönnt hat, mir die Gelegenheit – sie verstehen mich – zu verschaffen, ihn als den Schlüssel zu unserer wahren Glückseligkeit kennen zu lernen.“ Vier Jahre nach diesem Brief Mozarts 1787 an den kranken Vater schreibt er an einem Requiem. Die Arbeit wird früh durch seinen Tod beendet und auf Drängen der Witwe Constanze von Mozarts Schüler Franz Xaver Süßmayr zu Ende gebracht.

René Jacobs hat sich nach langjähriger Beschäftigung mit Mozart, die vor allem die Opern neu und frisch beleuchtete, aber auch Symphonien mit einbezog, dem Requiem zugewandt. Im Vorjahr absolvierte er eine Tournee mit dem Freiburger Barockorchester und dem Rias Kammerchor, wobei er das Requiem mit Joseph Haydns Harmonie-Messe verband. Die Einspielung des Requiems ist nun bei harmonia mundi auf CD und Vinyl erschienen. Eine Besonderheit ist die Überarbeitung der Süßmayr-Fassung durch den jungen französischen Komponisten Pierre-Henri Dutron.

Jacobs, das ist keine Überraschung, sieht das Werk eigenwillig. Nicht als absolutes Meisterwerk, denn „Torsos können keine Meisterwerke werden“. Fast zornig geht er in seinem ausführlichen Booklet-Text mit Constanze um, die zur unreellen Vermarktung des Werkes drängte, und mit Süßmayrs Unzulänglichkeit hinsichtlich Satztechnik und Instrumentation. Jacobs erkennt in den letzten Opern „La clemenza di Tito“ und „Zauberflöte“ Hinweise, dass Mozart wie seiner Symphonik auch seiner Kirchenmusik eine neue Richtung geben wollte. Jacobs Ansatz entbehrt jeder Romantik, ist frisch, ungewohnt zügig bis aufgepeitscht. Spannung überzieht auch die begnadeten Abschnitte wie im Benedictus. Der fulminante Chor dominiert, die Instrumente treten rhetorisch hervor, bleiben oft auch im Hintergrund, wenn auch präsent. Hervorgeholt werden sie gegenüber Süßmayr von Dutron, der ohne Exzentrik auch harmonisch eingreift und mehr Farben einbringt. Sophie Karthäuser (Sopran), Marie-Claude Chappuis, Maximilian Schmitt und Johannes Weisser sind ideale Solisten, die Freiburger mit Jacobs wunderbar vertraut. (u.st.)