Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 08.11.2017


Exklusiv

Andy Borg: „Jedes Scheitern ist grauslig“

Er schunkelt wieder: Zwei Jahre nach dem Ende des „Musikantenstadl“ will Andy Borg auf ATV mit „Beim Andy“ sein Publikum von Sorgen ablenken. Das Herumhüpfen spart er sich.

© Kerstin JoenssonIn Andy Borgs neuer Show „Beim Andy“ treffen sich am Sonntag (21.20 Uhr) auf ATV Stars der volkstümlichen Schlagerszene zum gemütlichen Miteinander. Mit dabei: die Stoakogler, Patrick Lindner und Marc Pircher.



2015 wurde der Musikantenstadl zu Grabe getragen. Für Sie bedeutete das den unfreiwilligen Abschied von der großen TV-Bühne. Überwog da der Groll oder die Wehmut?

Andy Borg: Sicher die Wehmut. Aber man wollte die Sendung damals eben verjüngen — und in dieses Konzept hab' ich halt mit meinen Vorstellungen nicht mehr hineingepasst. Ich hab' das schon verstanden, wenn auch nicht sofort. (lacht)

Der Plan, den Stadl zu verjüngen, ging in die Hose. Das Nachfolgeformat „Die Stadlshow" floppte und wurde eingestellt, übrig geblieben ist eine stadlfreie „Silvestershow" mit Jörg Pilawa. Hat Sie dieses Scheitern insgeheim gefreut?

Borg: Ich war jetzt nicht den Tränen nah, als ich das erfahren habe. (lacht) Aber gefreut hat's mich dann auch wieder nicht, weil ich ja selber auf dem Ast sitze. Ich bin auch noch Schlagersänger und in dieser Funktion bin ich dankbar für jede Sendung, in der ich eine neue Single von mir präsentieren kann — und durch die Absetzung der „Stadlshow" gibt's halt wieder ein Format weniger, in dem ich und meine Kollegen auftreten können. Abgesehen davon bin ich kein schadenfroher Mensch: So ein Scheitern ist immer grauslig. Aber wenn man was für junge Leute macht, dann muss man sich halt auch etwas G'scheites einfallen lassen, etwas, das die angepeilte Zielgruppe abholt. Ich hab da jetzt auch kein Rezept parat, weil ich dafür nicht der Richtige bin. Das können andere besser. Halt so, wie sich damals der Karl Moik für unser Publikum den „Musikantenstadl" einfallen ließ. Und der hat ja funktioniert ?

Wie definieren Sie Ihr Publikum?

Borg: Das ist die Generation meiner Eltern, die beide Ende 70 sind. Menschen also, die ein aufopferndes und arbeitsreiches Leben geführt, Kinder großgezogen haben und jetzt in der verdienten Pension sind. Diesen Menschen fühle ich mich verpflichtet, vor diesen Menschen hab' ich eine große Achtung, weil sie dafür gesorgt haben, dass es uns im Jahr 2017 in Europa so gut geht.

Gab es seitens des ORF eigentlich nie Angebote für ein neues TV-Projekt?

Borg: In einigen Sendungen war ich seit damals zu Gast. Aber ein neues Format-Angebot? Nein. Die wissen ja, was ich gern mache, und das entspricht eben nicht dem, was sie wollen.

Dafür hat jetzt ATV angeklopft: Am 12. November hat „Beim Andy" Premiere. Wie viel Musikantenstadl steckt da drin?

Borg: Es stecken 100 Prozent Andy Borg drinnen. Und sollten die Zuschauer das Gefühl haben, dass die Sendung ein bisserl wie der „Musikantenstadl" ist, nur halt viel kleiner, gemütlich und daher einfach noch näher dran am Publikum, dann fasse ich das als Kompliment auf.

Sollte das Publikum nicht drauf anspringen, wird's das mit „Beim Andy" gewesen sein. Ist der Erfolgsdruck im Fernsehen in den letzten Jahren größer geworden?

Borg: Man kann nur nach bestem Wissen und Gewissen Angebote machen. Wie viele dann einschalten, das ist auch in der Unterhaltung die harte Währung, mit der wir uns in der TV-Branche alle messen lassen. Also: ja, auf jeden Fall. Und so gesehen ist's für mich ein Glück, dass ich 57 Jahre alt bin und seit mehr als 35 Jahren in dieser Branche tätig bin. Ich muss also nicht schreiend herumlaufen, wenn das Publikum nicht anbeißt, weil das Moderieren nicht meine Hauptaufgabe ist: Meine Berufung ist es, auf der Bühne zu stehen und die Leute zu unterhalten. Und dafür brauche ich eigentlich keine Fernseh-Kamera.

Florian Silbereisen lockt mit seinen volkstümlichen Schlagersendungen ein Millionenpublikum an. Was macht er richtig?

Borg: Ganz einfach: Der macht das auf seine Art. Wobei ich schon sagen muss, dass das mit volkstümlicher Musik oder mit Volksmusik überhaupt nichts mehr zu tun hat. Weil ich kann mir nicht vorstellen, dass die Ursprung Buam mit nacktem Oberkörper zu irgendwelchen modernen Beats herumhüpfen würden. Beim Florian Silbereisen wird Party gemacht, mit einem traditionellen „Stadl" hat das rein gar nichts zu tun. Braucht es auch gar nicht. Trotzdem freut's mich, wenn ich da auch noch hin und wieder eingeladen werde.

Mit bedecktem Oberkörper?

Borg: Keine Angst! Aus Rücksicht auf die Zuschauer bleibe ich angezogen. (lacht)

Da wie dort wird einen Abend lang eine heile Welt vermittelt. Ist das nicht eine Flucht vor der Realität?

Borg: Flucht ist das falsche Wort — aber es ist sicher eine gewollte Abwechslung vom Alltag, eine Abkehr von Dingen, die einem aufstoßen. Und wenn es den Zuschauern hilft, sich von Problemen und Sorgen abzuwenden, dann find' ich das nichts Schlechtes.

Wie lenken Sie sich von den Alltagssorgen ab?

Borg: Ich geh' Rasen mähen. Denn das bedeutet, dass es nicht regnet, dass ich daheim bin und dass mich keiner anredet. Ich hab' nämlich einen ziemlich lauten Aufsitz-Rasenmäher.

Das Gespräch führte Christiane Fasching.