Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 02.01.2018


Tirol

Die Welt ist eine Maskerade

Ein feinsinniges und temperamentvolles Innsbrucker Neujahrskonzert des TSOI auf dem Weg nach Kufstein und Reutte.

© Foto Rudy De Moor / Tiroler Tage



Von Ursula Strohal

Innsbruck – Zwischen herrlichen Blumenbouquets schauen im Congress die Musikerinnen und Musiker des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck (TSOI) von ihrem aktuellen Foto ins Publikum, und nur einer fehlt unter den bekannten und neuen Gesichtern: der Chefdirigent. Bekanntlich wird der in den Konzertbegegnungen dieser Saison gesucht. Als einziger Dirigent hat Vassilis Christopoulos die Chance, das Orchester außer in Innsbruck auch in Kufstein und Reutte zu leiten. Ein Glück für die mehreren tausend Menschen, die live in den Genuss eines außerordentlich gelungenen TSOI-Neujahrskonzertes kommen.

„Maskerade“ ist diesmal das Motto, Maskierung und Demaskierung, wie das Leben sie in fröhlichen und tragischen Formen bereithält. Musikalisch hielt man sich zum Jahreswechsel natürlich an die heiter-besinnliche Note, mit zarter bis rasanter Musik von Antonin Dvorák, Carl Nielsen, Aram Khachaturian, Hector Berlioz, Geronimo Giménez sowie den österreichischen Walzerseligen Johann Strauss Vater und Sohn, Carl Michael Ziehrer und Richard Heuberger. Und gerade bei der Wiener Musik ist erstaunlich, wie die Musiker aus 22 Nationen unter dem Griechen zu diesem Idiom aus Verzögerung, Beschleunigung Abstoßen, Einschwingen und speziell Tänzerischen finden, das die vielfach im Volksmusikalischen wurzelnde Musikalität erblühen lässt.

Christopoulos ist ein feinsinniger Dirigent, der die sanften Melodien weich und selig, vielleicht auch mit einem Hauch von Wehmut ausschwingen lässt, der aus dem Klang heraus gestaltet und dem Orchester – welches das, ohne im Geringsten sentimental oder lärmend zu werden, hörbar macht – auch sprühendes Temperament und heiße Rhythmen entlockt. Konzertmeisterin Anne­dore Oberborbeck steuert ein traumschönes Khachaturian-Violinsolo bei.

Intendant Johannes Reitmeier, frei und humorvoll hintergründig moderierend, befestigte das Maskerade-Motto mit einer Erkenntnis des Philosophen Arthur Schopenhauer: „Unsere zivilisierte Welt ist doch nur eine große Maskerade.“ Reitmeier moderierte die Generalprobe am Silvestervormittag, von der wir hier berichten, und die, mit besten Wünschen der Innsbrucker Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer ausgestattet, immer von spezieller Atmosphäre ist, sowie das Konzert am Neujahrstag. Die Konzert­e heute Dienstag in Kufstein und morgen in Reutte werden von der Operndramaturgin Susanne Bieler moderiert, weil Reitmeier zu den letzten Proben seines „Everyman“ nach Münster eilen muss.


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