Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 03.02.2018


Musik

Alternative Kammermusik von „Neuschnee“

Auf ihrem neuen Album „Okay“ wartet die Band „Neuschnee“ mit Überraschendem auf.

© Elodie GrethenDie sechs klassisch ausgebildeten Musiker mixen seit 2007 Klassik mit anderen Stilen.Foto: Elodie Grethen



Innsbruck – Sechs Musiker auf der Bühne: Streichquartett – zwei Geigen, Bratsche, Violoncello – plus Jazzgitarre und Schlagwerk. In dieser klassischen, aber doch nicht klassischen Besetzung spielt die Wiener Band Neuschnee seit 2007 zusammen. Und Neuschnee klingt auch wie Neuschnee: frisch gefallen und nicht wie im Straßengraben hingematscht. Überraschend unverbraucht, wie eben auch der erste Schnee im Jahr, ist das Crossover der Stile, dem sich die Combo verschrieben hat.

Die sechs klassisch ausgebildeten Musiker rund um den Berliner Singer-Songwriter Hans Wagner sind von der Idee getrieben, ein Streichquartett neu zu denken. Der Weg, den sie dafür einschlagen, ist sicher kein gerader, sondern einer, der eine Vielzahl an Richtungen und Kreuzungen anbietet: von introvertiertem Jazzsound über klare Akustiksongs und expressivem Punkflair hin zu frechem Elektro. Alles auf der bescheiden gehaltenen Basis einer beeindruckenden Qualität der klassischen Instrumentalisten.

Ebenso bescheiden kommt auch das neue Neuschnee-Album „Okay“ daher. Die nonchalante Durchschnittlichkeit des Allerweltstitels gibt keine Richtung vor, sondern lässt sich alle Wege offen. Song Nummer eins, „Der Zeitgeist macht Buh“, wartet mit fettem Retro-Elektro und messerscharfen Lyrics auf. Das Lied fetzt rein, reißt mit. Die zentrale Frage „Wann kommt die Post-Postmoderne?“ erübrigt sich. Sie ist schon da. Zweifellos.

Viel zurückhaltender sind die anderen ruhigeren, getragenen Nummern, die trotzdem aufgrund der einprägsamen Zeilen und der klassischen Einschübe ständig aufhorchen lassen. Trotzdem: Die straighten Gitarrenriffs, die noch Songs wie „Des Kaisers neue Kleider“ vom 2016-Album „Schneckenkönig“ prägten, gehen einem auf „Okay“ etwas ab. Am stärksten sind Neuschnee diesmal, wenn sie in die Vollen gehen – und klassische Motive mit feinstem Elektro kombinieren. Das klingt, wie sich Neuschnee im Frühling anfühlt. Ziemlich überraschend. (bunt)

Crossover Neuschnee: Okay. Pro­blembär Records.




Kommentieren


Schlagworte