Letztes Update am Fr, 13.04.2018 11:52

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Echo-Verleihung 2018

Preisrekord für Helene Fischer, Skandal um Rapperduo und ein Heiratsantrag

Ihre Nominierung hatte schon vorher für hitzige Diskussionen gesorgt, nun gewannen die Rapper Kollegah und Farid Bang einen Echo. Schlagersängerin Helene Fischer konnte ihren Preis-Rekord weiter ausbauen - doch der große Gewinner des Abends war ein anderer.

Helene Fischer trat auch mit Luis Fonsi auf. Die Sängerin freute sich über ihren 17. Echo.

© X80003Helene Fischer trat auch mit Luis Fonsi auf. Die Sängerin freute sich über ihren 17. Echo.



Berlin — Drei Preise für Ed Sheeran, ein Rekord für Helene Fischer, ein Heiratsantrag für Kylie Minogue und viel Kritik an umstrittenen Rappern: Das war die Echo-Musikverleihung am Donnerstagabend in Berlin. Der große Gewinner des Abends war der Brite Ed Sheeran. Er wurde in den Kategorien Album des Jahres, Hit des Jahres und bester internationaler Künstler geehrt, nahm die Auszeichnungen aber nicht persönlich entgegen. Der 27-Jährige bedankte sich per Videobotschaft aus Japan.

Helene Fischer räumte in der Kategorie Schlager ab. Mit ihren inzwischen 17 Echos ist sie die Rekordhalterin. "Ich genieße diesen Erfolg gerade unfassbar", sagte die 33-Jährige auf der Bühne.

Buh-Rufe und Pfiffe für Kollegah und Farid Bang

Für die größte Aufregung sorgte aber eine andere Auszeichnung: Die umstrittenen Rapper Kollegah und Farid Bang gewannen den Echo in der Kategorie Hip-Hop/Urban National — nach einer Debatte über ihre als antisemitisch kritisierten Texte. Im Zentrum der Kritik steht die Textzeile "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen".

Kollegah (r.) und Farid Bang.
Kollegah (r.) und Farid Bang.
- REUTERS

Bei Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit sei eine Grenze überschritten, sagte Campino, Frontmann der Toten Hosen, auf der Bühne. Die Toten Hosen hatten zuvor den Preis als bester nationaler Rock-Act gewonnen. "Ich will hier keine Politikdebatte daraus machen", sagte Kollegah zur Kritik. Campino habe sich als moralische Instanz aufgespielt, das gebühre einem so großen Musiker nicht, sagte Kollegah weiter als er den Preis auf der Bühne entgegennahm — und erntete laute Buh-Rufe und Pfiffe aus dem Publikum.

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Knobloch nennt Echo für Kollegah und Farid Bang "verheerend"

Die frühere Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hat sich entsetzt über den Echo für die Rapper Kollegah und Farid Bang gezeigt. Es sei "ein verheerendes Zeichen", den wichtigsten deutschen Musikpreis an "vermeintliche Künstler" zu verleihen, die ein gesellschaftliches Klima bedienen, in dem Antisemitismus offenbar wieder normal sei, erklärte Knobloch am Donnerstag in München.

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern erklärte weiter, "geschichtsvergessene Geschmacklosigkeiten und antijüdische Vorurteile sind keine Kunst, müssen geächtet und konsequent aus dem öffentlichen Raum verbannt werden".

Kollegah und Farid Bang würden "mit ihren menschenverachtenden Botschaften Millionen, meist junge, Menschen" erreichen. Der Preis sei nun außerdem am jüdischen Holocaustgedenktag, Jom HaSchoa, an die Musiker verliehen worden. Da dürfe sich niemand wundern, dass "Jude" in Klassenzimmern wieder Schimpfwort sei und jüdische Menschen alltäglich Opfer von Diffamierung und Aggression würden.

Newcomer-Preis für Wincent Weiss

Seinen ersten Echo gewann der Sänger Mark Forster. Der 34-Jährige erhielt den Preis in der Kategorie Künstler Pop national. „Ich hatte heute als ich hergekommen bin richtig Bock, einen Echo zu gewinnen", sagte er auf der Bühne. Forster war schon öfter nominiert, hatte aber noch nie gewonnen.

Zuvor hatten Alice Merton (Künstlerin Pop national), Milky Chance (Band Pop national) und Haiyti (Kritikerpreis) Preise abgeräumt. Wincent Weiss gewann die Auszeichnung als nationaler Newcomer. Luis Fonsi wurde als internationaler Newcomer geehrt. Der DJ Robin Schulz gewann den Echo in der Kategorie Dance national. Er konnte den Preis allerdings wegen Krankheit nicht selbst entgegennehmen.

Olivia Jones machte Kylie Minogue einen Heiratsantrag

Travestiekünstlerin Olivia Jones (48) hat Popstar Kylie Minogue (49) auf der Echo-Verleihung scherzhaft einen Heiratsantrag gemacht. "Sie hat strahlend gelächelt, das deute ich mal als ja. Ich heiße jetzt Olivia Minogue", sagte Jones am Donnerstagabend der Deutschen Presse-Agentur.

Und warum ausgerechnet Minogue? "Ich habe ihr gesagt, dass ich es toll finde, dass sie sich so für Toleranz und die Rechte von Schwulen und Lesben einsetzt. Gerade heute, wo diese Rapper im Fokus standen, halte ich das für sehr wichtig."

Helene Fischer sang zwei Mal

Zwischendurch sorgten unter anderem die Popstars Kylie Minogue, Rita Ora, Shawn Mendes und Jason Derulo für musikalische Unterhaltung. Zwei eher ungewöhnliche Auftritte legte Fischer hin. Zuerst performte sie ihr Lied „Lieb mich dann" mit dem Jazzmusiker Götz Alsmann und dem Gitarristen Gregor Meyle. Später sang sie gemeinsam mit Luis Fonsi. „Wir vom Schlager sind einfach überall — auch da, wo niemand mit uns rechnet", sagte sie.

Die Nominierungen für den Echo ergeben sich aus den Verkaufszahlen der Musiker: Die fünf erfolgreichsten Künstler kommen auf die Liste. Eine 550-köpfige Jury entscheidet, wer gewinnt. Zu den Juroren gehören Journalisten, Händler, Produzenten, ehemalige Preisträger und Nominierte sowie Label-Vertreter. (dpa/APA/AFP)

Die Preisträger der Echo-Verleihung 2018:

Album des Jahres: Ed Sheeran ("÷ (Divide)")

Hit des Jahres: Ed Sheeran ("Shape Of You")

Künstler Pop National: Mark Forster ("TAPE")

Künstlerin Pop National: Alice Merton ("No Roots")

Band Pop National: Milky Chance ("Blossom")

Schlager: Helene Fischer ("Helene Fischer")

Volkstümliche Musik: Santiano ("Im Auge des Sturms")

Hip-Hop/Urban National: Kollegah & Farid Bang ("Jung, Brutal, Gutaussehend 3")

Dance National: Robin Schulz ("Uncovered")

Rock National: Die Toten Hosen ("Laune der Natur")

Band International: Imagine Dragons ("Evolve")

Künstlerin International: Pink ("Beautiful Trauma")

Künstler International: Ed Sheeran ("÷ (Divide)")

Produzent National: Peter Keller ("MTV Unplugged - Peter Maffay")

Newcomer National: Wincent Weiss ("Irgendwas gegen die Stille")

Newcomer International: Luis Fonsi ("Despacito & Mis Grandes Éxitos")

Video National: Beatsteaks feat. Deichkind ("L auf der Stirn")

Kritikerpreis National: Haiyti ("Montenegro Zero")

Lebenswerk: Klaus Voormann

Soziales Engagement: Benefiz-Festival Peace X Peace von Fetsum Sebhat und Tedros Tewelde