Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 30.04.2018


Musik

Das bunte Fest der Alternativen

Janelle Monáe singt und rappt gegen Rassismus und Sexismus an. Ihr neues Album „Dirty Computer“ wird sie zum Superstar machen.

© AFPJanelle Monáe singt, komponiert und spielt. Im Oscar-gekrönten Drama „Moonlight“ war die 32-Jährige in einer Nebenrolle zu sehen.



Innsbruck – Das Politische im Pop ist immer dann Thema, wenn es gilt, die Anbiederung der Politik an den Pop, das Populäre also, den Populismus zu beklagen. Einer der maßgeblichen Umstände übrigens, der ausgewiesenen Polit-Pop ziemliche einfältig und bisweilen selbstgefällig wirken lässt. Insofern ist Janelle Monáe tatsächlich eine Ausnahme: Monaé, der breiten Öffentlichkeit wurde sie durch einen beherzten „Time’s Up“-Auftritt in schwarzem Anzug bei der letzten Grammy-Verleihung bekannt, jammert nicht, sondern feiert die Alternativen. Sie macht vor, wie es gehen kann. Wie es geht. Am Wochenende ist „Dirty Computer“ erschienen. Monáes drittes Album. Das erste seit fünf Jahren. Es wird die 32-Jährige zum Superstar machen. Ein Kritikerliebling war sie bereits. Und ein Liebling von Prince. Der 2016 verstorbene Meister aller Klassen aus Minnesota hat sie früh gefördert und gefordert. Auch daran erinnert „Dirty Computer“: Nicht nur in den Gitarrenriffs von „Make Me Feel“ kling viel „Kiss“ an. „Make Me Feel“ beschwört selbstbewussten Hedonismus: Männlein oder Weiblein, Schwarz oder Weiß? Egal. Janelle Monáe bürstet Zuschreibungen gegen den Strich – und legt ganz nebenbei einen unverfroren coolen Funksong vor, der das Zeug zum Sommerhit hätte.

„Django Jane“ hingegen, der zweite programmatische Song des Albums, ist gerappte Selbst­ermächtigung: eine zornige, betont roh arrangierte Absage an Sexismen – vom Mensplaining bis zum „Pussy Grabbing“ – und Rassismen.

Auch „Pynk“ geht in diese Richtung. Der Song klingt zwar etwas nach Plastik-Pop aus Fernost, sein Text aber ist ein Hochamt der „Pussy Power“. Ganz anders tönt hingegen „Americans“: Der Albumcloser setzt wie eine schmalzige Band-Aid-Ballade ein – und schwingt sich dann hoch: mächtige Beats, fettes Arrangement, klare Botschaften und verdammt viel, ungemein verspieltes Selbstbewusstsein. So können Pop und Protest 2018 klingen. Für beides: ein Grund zur Hoffnung. (jole)

R’n’B/Funk Janelle Monáe: Dirty Computer. Atlantic/Warner.




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