Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 30.04.2018


Komma Wörgl

Blues mit moderner Verve

Wiener Schmäh trifft auf gute Laune: Norbert Schneider lud zum Konzert mit vielen alten und einem neuen Song ins Komma.

© buntNorbert Schneider präsentierte anlässlich seines Konzerts in Wörgl auch seine neue Single „Ois wird guat“.



Wörgl – Es ist nicht das erste Mal, dass Norbert Schneider mit seinem Ende 2016 veröffentlichten Album „Neuaufnahme“ nach Tirol kommt. Vielleicht lässt sich damit der nur dürftig besetzte Saal des Veranstaltungszentrums Komma in Wörgl erklären. Am Charisma des Wieners und seiner musikalischen Virtuosität kann es nicht liegen.

Norbert Schneiders Stil nimmt in Österreich nach wie vor eine einzigartige Rolle ein: Er verleiht seinem Blues eine zeitgenössische Verve. Zu hören auf Schneiders „Neuaufnahme“, eine individuelle Hommage an Georg Danzer. Und mit seinem „Geh in Oasch“ eröffnete Schneider das Konzert im Komma. Gute-Laune-Nummern treffen auf tiefschwarzen Wiener Schmäh. Mitsamt siebenköpfiger Backingband brachte der Opener erstmal den großen Bigband-Sound auf die Bühne. Schneider – noch ohne Gitarre – brillierte mit seiner virtuos- souligen Stimme.

Beim zweiten Song „Von Buxbaam und Kirschen“ wechselte Schneider in seinen locker flockigen Longplayer „Schau ma mal“ von 2013, der erste in Mundart. Ein Abstandnehmen vom Englischen, das ihn als Künstler erst festigte. Und es ihm erlaubte, seine Faszination zu Danzer erst glaubhaft rüberzubringen.

Schneider nimmt seine aktuelle Minitour auch zum Anlass, eine neue Single vorzustellen: „Ois wird guat“ schließt als fröhliche Offbeat-Nummer nahtlos an Hits wie „Herrgott schau obe auf mi“ an. Letzgenannter durfte nicht fehlen an diesem Konzertabend, der viel Platz für Improvisation ließ. Sowohl Bläser als auch Keyboard erwiesen sich als ideale Duell-Partner für Schneiders Improsets. Magisch zurückhaltend wurde es bei Danzers „Lass mi amoi no d’Sunn aufgeh’ sehn“. Umso überraschender, dass nach etwa 40 Minuten schon der erste Abgang von der Bühne kam. Zwei Zugabensets ließen das Publikum dann aber die Bestuhlung vergessen, mit „Ruaf mi ned au“ verabschiedete sich Schneider schließlich ganz. Und es bleibt die Hoffnung, dass er bald mit neuem Material zurückkehrt. (bunt)




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