Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 07.05.2018


Musik

Ungeschliffenes Selbstbewusstsein

Im neuen Album „When I Take Your Hand“ steht Clara Luzias klare Stimme einem überraschend ruppigen Sound gegenüber. Ein Kontrast, der befruchtend wirkt.

© Christoph LiebentrittIhre neue Platte nimmt Clara Luzia mit auf Tour. Am 9. Mai gastiert sie im Treibhaus in Innsbruck.



Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Keine Lagerfeuerromantik mit gezupfter Akustikgitarre. Dass ihr das Label „Singer/Songwriter“ nicht mehr steht, beweist Clara Luzia bereits seit ihrem Album „We Are Fish“ von 2013. Dass die gebürtige Niederösterreicherin rotzig-frech sogar besser kann als zart-zerbrechlich, kündigte sich aber bereits Jahre zuvor mit der Erfolgssingle „Queen Of The Wolves“ an. Und dass ihre Stimme bisweilen auch zu düsteren Genres passt, zeigte schon ihr Titelsong für den Alpenwestern „Das finstere Tal“.

Blickt man auf die letzten Produktionen von Clara Luzia, aka Clara Luzia Maria Priemer-Humpel, fällt auf: Die Frau ist vielfältig und hält sich doch an ihre individuelle künstlerische Handschrift. Im Dreijahrestakt haut die Niederösterreicherin Platten raus. Nach ihrem 2015er-Album „Here’s To Nemesis“ nun also „When I Take Your Hand“. Eine LP, die aber auch Entwicklung bedeutet. Rockiger wird es, das wird Luzia auch im Konzert übermorgen im Innsbrucker Treibhaus beweisen.

Für die im Eigenlabel „Asinella Records“ produzierte Platte holte sich Clara Luzia Unterstützung von Julian Simmons, der schon mit Folk-Sängerin Vashti Bunyan, Ausnahmegitarrist Albert Lee oder Superstar Ed Sheeran zusammengearbeitet hatte. Entstanden ist in dieser Kooperation kein Mainstream, sondern selbstbewusster Alternative-Sound, der auch in ruhigen Nummern auf Anschmiegsamkeit verzichtet.

Der Opener „On The Street“ und die zweite Single „Bold Move“ weisen stark in Richtung Rock: Klare Riffs, verzerrter Gitarrensound, auch an der Stimme wurde etwas gedreht. Und der Sound schwimmt auf der Neunziger-Indie-Welle. Bleibt dabei aber unaufgeregt und lässig. Ihre klare Stimme steht in interessantem Kontrast zum etwas ruppigen Sound – was der Platte besonderen Ausdruck verleiht. Die Richtung, die Luzia schon früher einschlug, wurde nun präzisiert. Auch das sehr persönliche „The Story of You and Me“ erinnert mehr an ungeschliffene Cranberries als an Luzias Folk von damals. Ähnlich wie „When The Streets“, die als Vorabsingle bereits die FM4-Charts stürmte. Bei „Mood Swing“ nimmt die Platte nach ruhigeren Nummern wieder den Drive der Openertracks auf. Die Message der Lieder kommt gewohnt unterschwellig daher: Alltagssituationen – das Im-Bus-Sitzen, das Jemanden-Treffen – werden zu den großen Umbrüchen des Lebens. Die eine Energie entstehen lassen, von der man im mehrmaligen Hören immer wieder zehren möchte.

Alternative Clara Luzia: When I Take Your Hand. Asinella Records.




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