Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 08.05.2018


Exklusiv

Konstantin Wecker: Ein Mann auf der ewigen Suche nach Wunderbarem

Konstantin Wecker (70) steht übermorgen auf der Bühne im SZentrum. Vorab sprach er mit der TT über Geld, Drogen, Poesie und Liebe.

© Thomas KarstenKonstantin Wecker macht Donnerstag einen musikalischen Streifzug durch sein 50-jähriges Schaffen im SZentrum – begleitet von Jo Barnikel. Es gibt noch Karten bei Lindner Music in Schwaz.Foto: Thomas Karsten



Von Angela Dähling

Schwaz – Er ist immer auf der Suche nach dem Wunderbaren. Und Konstantin Wecker gibt zu: „Ich habe es besonders exzessiv gemacht.“ Seine Drogensucht, die Mitte der 1990er-Jahre ihren Höhepunkt in Form von Gerichtsprozess samt Verurteilung erreichte, ist Vergangenheit. Haftet aber immer noch irgendwie an ihm – zumal er sehr offen damit umging. „Man darf das aber nicht überbewerten. Diese Zeit ist einfach vorbei“, sagt Wecker im Gespräch mit der TT. Es sei eine „grausliche Sucht“ gewesen und ein Wunder, dass er da rausgekommen ist. „Zwischen 1993 und 1995 war ich völlig desolat. Die wenigen Konzerte, die ich da gab, waren eine Katastrophe“, blickt der Münchner zurück.

Inzwischen zählt der kritische Liedermacher 70 Lenze. Und wie ist er heute? „Mein Lied ‚Wut und Zärtlichkeit‘ trifft es wohl am besten“, meint er. Er sei spät Vater geworden und die Kinder hätten ihn verändert. „Sie lehren mich so viel. Etwa bedingungslose Liebe.“ Früher, sagt er, sei er hauptsächlich damit beschäftigt gewesen, sein Ego aufzubauen. Er wollte geliebt werden, ohne selbst wirklich lieben zu können. „Erst wenn alles zerbricht, merkt man, dass hinter der Maske, die man sich umhängt, was ganz anderes ist. Ich glaube, jetzt kann ich lieben“, resümiert er. Der Bühne, der Musik und der Poesie gilt noch immer seine Leidenschaft. Diesen Donnerstag (Christi Himmelfahrt) treibt sie ihn ins SZentrum. Beim „Solo zu zweit“ präsentiert er ab 20 Uhr mit dem Pianisten Jo Barnikel einen Streifzug seines 50-jährigen Schaffens und setzt sich weiterhin für eine Welt ohne Waffen und Grenzen ein.

Auch Lieder seines aktuellen Albums „Poesie und Widerstand“ sind zu hören. Und weil der Liedermacher für beides steht, aber auch dafür, alles, inklusive sich selbst, immer neu zu hinterfragen, kommt er inzwischen zu dem Schluss: „Poesie ist Widerstand.“ So heißt auch sein neues Buch, aus dem er lesen wird.

Mit 70 Jahren frönen andere dem Rentnerdasein. Wecker nicht. Muss er singen, wegen der Schulden in Millionenhöhe, die ihm einst die Drogensucht eingebrockt hat? Wecker dementiert. „Konzertieren ist pures Vergnügen. Das Unangenehme ist das Hinkommen. Nach Schwaz werde ich fünf Stunden brauchen. Aber sobald ich an einem Instrument bin, kommt der Zauber wieder über mich.“ Es gebe keinen leidenschaftlichen Künstler, der frühzeitig freiwillig auf die Bühne verzichtet. Verzichtet hat der Münchner indes auf jegliche Altersvorsorge. „Ich habe keine Rente. Mit 30 war das ein Fremdwort und was für Spießer“, schmunzelt er. Geld angelegt habe er auch nicht. „Das Geld habe ich nie geliebt. Und das Geld mich daher auch nicht.“ Weil ihm der schnöde Mammon nicht wichtig ist, beunruhigen den linksliberalen Musiker auch Schulden nicht – wohl aber manch politische Entwicklung. „Erschreckend, was da an politischen Bewegungen wieder passiert“, sagt er. „Mehr als früher merke ich, Kunst kann Mut machen. Ich möchte Leuten, die eine ähnliche Meinung wie ich haben, den Mut machen, zu sich selbst zu stehen.“