Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 08.05.2018


Konzert

Operation gelungen, Pixners neuer Sound lebt

Mit der bunt zusammengewürfelten „Italo Connection“ reißt Herbert Pixner das Imster Publikum von den Sesseln. Fortsetzung soll folgen.

© Thomas Boehm / TTBewegt euch, Leute! Martl Resch, Herbert Pixner und Manuel Randi (v. l.) üben die Tanzhaltung aus dem Filmklassiker „Pulp Fiction“. Foto: Thomas Böhm



Von Markus Schramek

Imst – „Ihr habts die Katz’ im Sack gekaaft, ohne zu wissen, was des heit wird“, sagt Herbert Pixner, noch etwas außer Atem, nach fast zweieinhalb durchgespielten Stunden actiongeladener Livemusik.

Adressaten seiner Dankesrede sind die 1200 Besucher in der gesteckt vollen Glenthof-Tennishalle in Imst. Diese provisorisch wirkende, aber akustisch ganz brauchbare Location bringt Pixner mit der Italo Connection beim Tschirgart-Festival am Sonntagabend gehörig in Schwingung. Sechs herausragende Musiker, wie Pixner aus Südtirol stammend, hat der Bandleader für den Auftritt zusammengetrommelt.

Das Experiment gelingt. Die Katze im Sack erweist sich in diesem Fall nicht als Fehlkauf. Die Zuhörerschaft lässt sich von den Vibes und vom Spaß auf der Bühne anstecken, steht auf und groovt, jeder nach seiner Fasson.

Schon nach wenigen Minuten ist klar: Mit Pixners vormaliger Volksmusik, sei sie nun mit dem Attribut „neu“ oder „progressiv“ behaftet, hat dieser Sound nichts zu tun. Die Italo Connection liefert eine herzhaft improvisierte Mischung aus vielen Stilrichtungen: Jazz, Blues, Rock’n’Roll, manche Hardrock-Einlage sowie Sound­experimente zuhauf.

Pixner selbst krallt sich abwechselnd Trompete, Klarinette und diatonische Harmonika, allesamt elektrisch verstärkt, denn leise Töne werden heute keine angeschlagen. Die Anlage steht ordentlich unter Saft. Nicht nur beim Stück „Sorrow“, Musik gewordene Beschreibung eines morgendlichen Katers, nähert sich die Lautstärke der Schmerzgrenze. Multi­instrumentalist Pixner ist viel mit dem Checken von Effektgeräten beschäftigt. Sein Feilen am neuen Klangbild ist nicht zu übersehen.

Hervorragend harmoniert der Chef mit E-Gitarrist Manuel Randi – der ist schließlich auch Fixstarter im Herbert Pixner Projekt, der (immer noch) Haupterwerbsquelle des umtriebigen Namensgebers. Gegenseitig treiben Pixner und Randi ihre Soli voran, einander beäugend, den nächsten Move des Gegenübers antizipierend, zwei Virtuosen im freien Spiel.

Drummer Mario Punzi und Bassist Marco Stagni liefern derweil das rhythmische Grundgerüst: bis zur Erschöpfung hämmernd der Erste, stoisch und präzise zupfend der Zweite. Max Castlunger arbeitet sich an den Percussions ab. Alex Trebo sorgt an den Keyboards für einen fein gewobenen Klangteppich.

Eine Rampensau braucht es auch. Diesen Part übernimmt Saxofonist Martl Resch. Mit Leopardensakko, Retro-Haarschnitt und Streberbrille könnte er locker einen Elton-John-Lookalike-Bewerb gewinnen. Unermüdlich treibt er Band und Publikum an, wie ein Hüpfball in Menschengestalt. Am Ende gibt Resch gar noch den gesanglichen Entertainer. „Volare“ muss als Zugabe herhalten, nachdem der Fundus an Instrumentalstücken erschöpft ist.

Logisch, dass solche Abend­e Folgen haben. Die Italo Connection wird wohl auch nächstes Jahr wieder touren, möglicherweise mit einer CD auf dem Verkaufstisch.

Neues vom Herbert Pixner Projekt kommt schon im Jul­i. Die Volksmusik wird dabei ad acta gelegt. Pixners Zuhörer scheinen empfänglich für neue Kost. Dem Imster Publikum hat sie gemundet.