Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 31.05.2018


Kurhaus Hall

Junges Pianisten-Trio in großartiger Spiellaune

Michael Schöch, musikalisches Ausnahmetalent, zieht bekanntermaßen an der Orgel so manches Register. Dienstagabend zieht er beim Klavierkonzert im Kurhaus Hall in der Reihe „Musik+“ die Zuhörer am Bösendorfer-Flügel in seinen Bann.

© MalyshevStarker Auftritt am Konzertflügel: Michael Schöch in Hall.



Hall – Tief in sich versunken sitzt er da, den letzten Klängen nachspürend, die Augen geschlossen. Tosender Beifall holt ihn zurück ins Hier und Jetzt. Michael Schöch, musikalisches Ausnahmetalent, zieht bekanntermaßen an der Orgel so manches Register. Dienstagabend zieht er beim Klavierkonzert im Kurhaus Hall in der Reihe „Musik+“ die Zuhörer am Bösendorfer-Flügel in seinen Bann. Das ist noch schwach ausgedrückt: Schöch vermag es, mitzureißen und zu begeistern.

Romantik liegt in der Luft, Stücke von Clara und deren Gespons Robert Schumann, von Brahms und Mendelssohn Bartholdy, allesamt befreundete Zeitgenossen des 19. Jahrhunderts.

Schöch bestreitet zwei Drittel des Abends, spielt samt und sonders auswendig, zum Schluss Robert Schumanns Klaviersonate Nr. 1 in fis-Moll op. 11. Deren Finale gerät zum Triumph, Schöchs Finger sausen über die Tasten, er vermittelt schwärmerische Lyrik ebenso wie Trotz und Dramatik, das breite Spektrum der Gefühlswelt, ohne je fad zu werden. Klassik zum Ein- und Abtauchen, auch wenn es schon spät ist und der Tag lang war. Eine großartige Darbietung des 33-Jährigen, der im Brotberuf Orgel (warum nicht auch Klavier?) am Landeskonservatorium unterrichtet.

Schöch teilt Bühne und Beifall mit zwei jungen Freunden, beide noch keine 25. Elisabeth Hubmann, als Organistin schon sehr versiert, tritt erstmals am Klavier vor größerem Publikum auf. Sie eröffnet den Abend mit der Romance variée in C-Dur op. 3 von Clara Schumann. Premiere geglückt, Gratulation!

Sehr gefühlvoll und mit voller Klangfarbe ist schließlich Elias Praxmarers Wiedergabe von Mendelssohn Bartholdys „Lieder ohne Worte“.

Viel mehr an Worten muss man auch für die drei jungen Tiroler Pianisten dieses Konzerts nicht mehr finden: Ihr Spiel zeugt einfach von Klasse.


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