Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 21.06.2018


Bezirk Schwaz

Musikgruppen lassen weiterhin die Fetzen fliegen

Der Produzent von „Die fetzig’n Tiroler“ meldet sich im Streit mit „Die Fetzig’n“ aus dem Zillertal zu Wort. Letztere wollen das Urteil abwarten.

© iStockphotoKeine harmonischen Klänge herrschen derzeit zwischen den beiden Musikgruppen „Die Fetzig’n“ aus dem Zillertal und „Die fetzig’n Tiroler“.Foto: iStock



Von Angela Dähling

Zellberg, Kematen – Wie heißen sie wirklich Die Fetzig’n mit dem Zusatz „aus dem Zillertal“ oder Die Fetzig’n aus dem Zillertal? Um diese Facette reicher ist der Namensstreit zweier volkstümlicher Musiktrios mit ähnlichem Namen, der nach Klage der Zillertaler Gruppe vor Gericht ausgefochten werden dürfte – die TT berichtete.

Thomas Partl, Produzent von Die fetzig’n Tiroler, meldet sich jetzt zu Wort und verweist auf einen Auszug aus dem Markenregister: „Die Zillertaler Formation heißt demnach Die Fetzig’n aus dem Zillertal. Ein Wort wie ‚fetzig‘ oder ‚Zillertal‘ kann man sich nicht schützen lassen. Ein Logo inklusive Namen allerdings schon.“ Laut Partl, dessen Plattenfirma Top­art einst auch das besagte Zillertaler Trio unter Vertrag hatte, gehe es bei dem Streit auch um die Logos der beiden Gruppen. Ihr Logo hätten Die fetzig’n Tiroler längst geändert, um Verwechslungen zu vermeiden. Den Vorwurf, dass das neue Logo lediglich die CD des jungen Trios aus dem Mittelgebirge ziert, lässt Partl nicht gelten: „Wir verwenden nur noch das neue Logo. Dass das alte auf zuvor angefertigten Kappen noch drauf ist, kann ich natürlich nicht ausschließen.“ Es befinde sich u. a. noch auf dem Tourbus und Instrumenten, argumentiert der Anwalt der Gegenseite. Und es ähnle dem Der Fetzig’n zu sehr. Auch um eine Anmeldung des alten Logos im Jänner beim Patentamt, die Partl dementiert und für die die Kläger den Beweis antreten würden, dreht sich der kuriose Streit.

Das Landesgericht in Innsbruck hatte die Klage der Zillertaler Musiker auf Unterlassung wegen sachlicher Unzuständigkeit zurückgewiesen, da es um Markenrecht gehe. Und dafür ist das Handelsgericht in Wien zuständig. „Sie wurde nicht abgewiesen, weil sie keine Aussicht auf Erfolg hat, wie es seitens der Fetzig’n Tiroler leider gern dargestellt wird“, sagt Georg Spitaler von Die Fetzig’n. Man habe die Wortbildmarke Die Fetzig’n aus dem Zillertal schützen lassen mit dem Wortbestandteil Die Fetzig’n. Und als Die Fetzig’n bewerbe das Trio auch seine Auftritte. Mehr möchte Spitaler dazu nicht mehr sagen, „denn ich will nicht unnötig die Gräben weiter vertiefen“. Man müsse zudem zu sehr in Details gehen. Die jeweiligen Parteien sollten bei der Wahrheit bleiben und einfach das Urteil abwarten, sagt der Zellberger. „Sonst wird das lächerlich.“

Einer, der seit über 40 Jahren im Musikgeschäft ist und mit Bandnamen und Auftreten wegen Verwechslungsgefahr vor Jahrzehnten auch kurzzeitig böses Blut verursachte, ist Florian Prantl von Die Zillertaler. Seine Band war einst Grund, warum die damaligen Zillertaler Schürzenjäger ihren Namen auf Schürzenjäger stutzten. „In Deutschland kam es zu Verwechslungen, bei jenen, die sich in der Szene nicht auskannten. Für die waren die Zillertaler Schürzenjäger halt die Zillertaler“, erinnert sich Prantl. Dass die falsche Band gebucht wurde, sei aber nie passiert. „Dafür waren die Gagen schon viel zu unterschiedlich“, sagt Prantl.

Geregelt worden sei das Namens­problem dann von der Plattenfirma. „Ohne Auseinandersetzung und ohne Gericht.“ Warum verwenden so viele Musikgruppen so gern „Zillertal“ oder „Tirol“ in ihrem Namen? „Das Zillertal ist in Deutschland ein Begriff und steht immer schon für gute Musik. Und ähnlich ist es mit Tirol. Das kennt dort auch jeder“, argumentiert Prantl. Dafür werde die Verwechslungsgefahr mit ähnlich klingenden Gruppen in Kauf genommen.