Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 10.07.2018


Bezirk Kufstein

Ausgefranst und doch konstant

Das „Outreach“ Anfang August will mit Konstanten punkten: hoher Qualität und viel Experimentierfreude. Eine Vorschau.

© Ein Highlight des diesjährigen „Outreach“ kommt ganz zum Schluss: die ­Eigenproduktion von Daniel Schnyder, eine Partitur in 455 Seiten.Foto: Outreach



Schwaz – Ein Grundmotiv, das umgekehrt, untersucht, pervertiert wird; um nach allen Ausfransungen wieder zur einen Konstante zurückzukehren. In dieser Art und Weise will das diesjährige „Outreach“-Festival von Trompetengenie Franz Hackl agieren: Neues testen und bei gleich bleibender Qualität weiterwachsen.

Von 2. bis 4. August wird das Hauptfestival zum 26. Mal in Schwaz über die Bühne gehen. 2018 mit dem etwas schwer fassbaren „Timeless Sparks: Open Up Your cosmodome“ als Motto. „Zeitlose Funken, die einem die Augen öffnen“, erklärt Franz Hackl dazu in der gestrigen Vorstellung des Programms. Bei ihm war es ganz klar das Trompetenspielen in seiner Jugend. Diese Kraft der Musik wolle man beim „Outreach“ auch dem Publikum bzw. den Teilnehmern der Academy vermitteln. Und diese zusätzlich raus aus der Echokammer führen, in der nur eigene Ansichten und Meinungen bestätigt werden.

Dementsprechend vielfältig ist das Programm auch in diesem Jahr organisiert. Um den fixen Kern jener New Yorker Künstler, die mitsamt Franz Hackl immer wieder in Schwaz zu sehen sind, wachsen Programmpunkte nach, die experimentierfreudig bleiben sollen. Allen voran der Auftakt, der wie schon im letzten Jahr zum Zusammentreffen von Musik, Wort und Visuellem einlädt. Mark Egan, Dave Taylor und John Clark begeben sich hier in Eigenregie auf die Spuren von Großmeister Gil Evans.

Auch der Abschluss lockt mit einer Eigenproduktion, „Atombrot fressen“ des Schweizer Komponisten Daniel Schnyder. Nach dem letztjährigen musikalischen Kommentar zu Donald Trump ist man in diesem Jahr wieder mitten im skurrilen Europa angekommen. Apropos skurril: Gespannt bleiben darf man auf den Programmpunkt MMMM, bei dem Münchner Musikkritiker selbst Musik machen werden. Dazwischen sind die Konstanten gestreut: Das EMX Ensemble oder das Outreach Orchestra sind ebenso mit von der Partie. Bei all den Ausfransungen gilt laut Hackl: „Experiment ja, aber die Qualität muss passen.“ Und soll für neue zeitlose Funken sorgen. (bunt)

Outreach 2018

Visuelles Eröffnungskonzert: 2. August, 20.15 Uhr. Mino Cinelu & Markus Reuter Duo: 2. August, 23.45 Uhr. EMX: 3. August, 23.45 Uhr. „Atombrot fressen“: 4. August, 22.30 Uhr. Outreach Academy: Workshop Week (6. bis 11. August) mit In­strumental- und Ensembleunterricht. Abschluss: 11. August mit dem Outreach Open Air.

Alle Konzerte finden im SZentrum in Schwaz statt. Vollständiges Programm: www.outreachmusic.org




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