Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 07.08.2018


Musik

Klangmächtige Spiritualität

Introitus der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik in der Stiftskirche Stams.

© Diego Fasolis und der Coro della Radiotelevisione Svizzera am Sonntagabend in der Basilika von Stift Stams.Foto: Innsbruck Festwochen der Alten Musik/Waldeck



Stams – Während das Publikum die Basilika von Stift Stams am frühen Sonntagabend füllte, waren Ausrufe des Staunens über Schönheit, Harmonie und Würde des Raumes zu hören. Dann Musik von Giovanni Pierluigi da Palestrina – Schönheit, Würde und eine Spiritualität, die weitergeht als es Kirchenmalerei je vermochte. Wie Michelangelo in der Architektur hatte Palestrina wohl eine Ahnung vom nahenden Barock – ohne die Schwelle zu überschreiten. Er blieb, zielführend im päpstlichen Rom, konservativ. Doch seine vollendete Kunst, die polyphon gleichberechtigten Stimmen harmonisch so wunderbar zusammenzuführen, dem Wortklang und Wortsinn Raum zu geben, überstrahlt die Jahrhunderte.

Der Festwochen-Introitus in Stams noch vor dem offiziellen Eröffnungstermin ist jährlich ein besonderer Anlass und wurde heuer von Diego Fasolis und seinem Coro della Radiotelevisione Svizzera gestaltet. Ausgewählt hat er, gerundet zu einem Marienlob, die vierstimmige „Missa inviolata“ aus dem zweiten Messenbuch von 1567 und Beispiele aus dem drei Jahre zuvor erschienenen ersten reinen Motettenbuch Palestrinas.

Fasolis ist ein wahrer Fachmann für dieses Repertoire. Der Chor, bis auf die Randmotetten hinter dem Altar postiert, schien vor allem zu Beginn der Messe zu sehr auf seine Routine zu vertrauen. Mit zunehmender Intonationssicherheit und Ausgewogenheit gelang dann eine vitale, klangsichere, werkgebundene Palestrina-Stunde. Mit Beispielen aus den acht Ricercari für Orgel, der einzigen Instrumentalmusik des Komponisten, überraschte Santiago Pereira am Orgelpositiv. (u.st.)