Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 10.08.2018


Musik

Die Sehnsucht nach „Cool Britannia“

Die neuen Alben von „The Coral“ und Miles Kane lassen vom Britpop der Neunziger träumen. Und auf ein großes Comeback hoffen.

© Jack PrinceDie Musiker von „The Coral“ lassen mit ihrem heute erscheinenden Album „Move Through The Dawn“ den Britpop nochmal aufflammen.



Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Der Britpop lebt. Die neuen Alben von The Coral oder Miles Kane, welche beide heute erscheinen, versuchen zumindest dieses Motto zu vermitteln. Ein konkretes, wenn auch schräges Lebenszeichen gab es auch von Britpop-Legende Liam Gallagher von Oasis, der, so scheint es, den ewigen Clinch mit Bruder Noel ablegen möchte und ihn auf Twitter zur Reunion anpöbelte. Die Fans träumen (schon wieder) von einem Comeback der Oasis-Brüder.

Und das, obwohl der große Hype um den Britpop eigentlich schon lange vorbei, die Relevanz der Gitarren-Combos heute vernachlässigbar ist. Ganz anders 1992, wo die Musikwelt nach dem düsteren Grunge à la Pearl Jam, Soundgarden oder bald auch Nirvana gierte, schwappte von Großbritannien aus eine Gegenbewegung herüber. Melodieverliebt, gitarrenlastig und oft sogar stadiontauglich. Bands wie Pulp oder The Verve läuteten eine neue Ära ein, Suede und vor allem das Krawallquartett Blur begründeten den so genannten Britpop, der die Neunziger auch international maßgeblich prägte. Kein Wunder, dass „Definitely Maybe“, das erste Album von Oasis, sofort auf Platz eins kletterte. Das war 1994, im selben Jahr starb Kurt Cobain. Und „Definitely Maybe“ erzielte bis dato die höchsten Verkaufszahlen in der ersten Woche in Großbritannien. Das zeigt: Nach der Beatlemania und dem Punk-Beben der Siebziger war das Königreich erneut zum Nabel der Musikwelt avanciert. Bald stand die Insel deswegen sogar Kopf. Eine Grundsatzfrage spaltete die Nation. Schon wieder. Sie lautete nun nicht mehr: Rolling Stones oder Beatles, sondern Oasis oder Blur?

Doch zumindest Blur wurde der Britpop bald schon zu eng. Die Londoner drangen mit ihren letzten Alben in einen Grenzbereich zwischen elek­tronischer und experimenteller Musik vor. Frontmann Damon Albarn war mit den Gorillaz sowieso zu ganz anderen Ufern aufgebrochen. Ähnlich wie Radiohead, die besser zu Art-Rock oder New Progressive passten.

Langsam, aber sicher driftete der Britpop in den Indierock ab, der andere Länder vereinnahmte. Einige englische Zuckungen kamen jetzt noch von The Kooks, Franz Ferdinand oder den Arctic Monkeys.

Letzgenannte legten erst heuer ein Album vor, das erneut eine komplette musikalische Wende für die Band einläutete. Ein mutiger Schritt, den sich Musikerkollege Miles Kane (er spielt nebenbei mit Arctic-Monkeys -Frontmann Alex Turner bei den Last Shadow Puppets ) bei seinem neuen Album allerdings nicht traute. „Coup de Grace“ lässt von „Cool Britannia“ träumen, jener großen Zeit Mitte der Neunziger in UK. Schon der Opener „Too Little Too Late“ will ordentlich rocken. Die eingängigen Melodien fehlen aber und damit die Stadiontauglichkeit der Megabands von früher. Der Track „Killing the Joke“ eifert den Arctic Monkeys nach, bleibt aber in deren Schatten gefangen.

Ganz anders die Neue von

Move Through The Dawn. Ignition Records.

Britpop Miles Kane: Coup de Grace. Virgin EMI.