Letztes Update am Do, 06.09.2018 06:36

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Neues Album

The Kooks scheitern an der Qual der Wahl

Trotz Support der ganz Großen: Das neue Album von „The Kooks“ wird Fans zweifeln lassen. Weil „Let’s Go Sunshine“ allen gefallen will.

© Andreas NowakThe Kooks haben ein neues Album herausgebracht.



Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Es ist immer noch der gleiche, leicht näselnde Gesang von Luke Pritchard, der uns damals bei „Naive“ oder „She Moves In Her Own Way“ vor rund zwölf Jahren sanft an die großen Britpop-Momente der Neunziger zurückerinnerte. Sonst gleicht auf der neuen Platte von The Kooks nur noch wenig dem Alten. Das muss man „Let’s Go Sunshine“, dem inzwischen fünften Album der charismatischen Briten, aber nicht übelnehmen – im Vergleich zum kompletten Bruch mit ihren Wurzeln, den die Arctic Monkeys in diesem Jahr hinlegten, sind The Kooks mit ihren Fans noch etwas schonender umgegangen. Jugendlicher Indiecharme wurde lediglich getauscht gegen alten Hymnenpop.

Oder wenigstens ein Versuch in Richtung Pop, denn eigentlich weiß man nicht, wo das Album genau hinmöchte: Die insgesamt 15 Songs könnten verschiedener kaum sein. Alles beginnt mit einem undefinierbaren Intro, das in „Kids“, dem ersten Track, mündet, welcher mit Stadionchören aufwartet. Größenwahnsinnig scheint auch „All the time“: Radiopop, bei dem die eh schon leere Hookline „I want you to be here all the time, I want you to be here when I die“ bis in einen Endlos-Loop eingesaugt wird. Der vierte Song „Believe“ erinnert mehr an Rayzorlight oder sogar Sunrise Avenue als an die sauberen Melodien der frühen Kooks.

Ein kleiner Lichtblick scheinen „Fractured and Dazed“ oder „Chicken Bone“, bei denen Lagerfeuer-Atmosphäre aufkommt und die mächtigen Gitarrenwände eingetreten werden. Aber auch die zweite Hälfte des Albums zeigt: Unbeschwert wie früher geht anders. Trotzdem: The Kooks bekommen den Segen von oben: Bei den Deutschlandkonzerten im Juni supportete die Band niemand Geringeres als die Rolling Stones. Mick Jagger scheint weiter Fan zu sein, und doch: „Let’s Go Sunshine“ will zu vielen gefallen und dreht sich bei den vielen Möglichkeiten, aus denen es schöpfen könnte, doch nur im Kreis.