Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 18.10.2018


Musik

Ein Dezennium Anti-Musik

Mit dem ungezwungenen „Der Nino aus Wien“ feiert der Wiener Barde sein Zehnjähriges.

Unterwegs, also auf Tour, ist „Der Nino“ ab November. Leider ohne Zwischenstopp in Tirol.

© RussmannUnterwegs, also auf Tour, ist „Der Nino“ ab November. Leider ohne Zwischenstopp in Tirol.



Innsbruck – Der Nino“ ist wieder unterwegs. Das verrät unter anderem „Unterwegs“, der Opener seines neuen Albums, welches der „Bob Dylan vom Praterstern“ – so wird „Der Nino“ auch schon mal genannt, wenn man ihn adeln möchte – einfach mit seinem eigenen Namen betitelt. „Ich muss ja schließlich immer weg, schau’n, wohin es geht“, singt der Barde dort in lautstarker Intonation.

Lautstark wohl auch deshalb, weil die neue Platte die inzwischen zehnte ihrer Art ist. Und das nach nur zehn Jahren „Nino aus Wien“. Was bedeutet: Die Schreibwut des Musikers ist ungebrochen, im Zweijahrestakt erscheinen seine Alben, manchmal auch kürzer und manchmal auch zwei zugleich. „Der Nino“ gibt sich pragmatisch: „Ich wollte meine Zeit lieber ins Songwriting investieren, als über einen Titel nachzudenken“, so die Erklärung zur Titelgebung. So entstand ein Album, das ungezwungener kaum sein könnte.

Roter Faden ist der Stil, produziert wurde das Album erneut von Wanda-Produzent Paul Gallister, der neben der alteingesessenen „Nino“-Band (feiert heuer ihr neunjähriges Bestehen) auch als Musiker zu hören ist. Mit dabei Gastspiele von Natalie Ofenböck (wie schon auf „Das grüne Album“) oder das Ensemble Franui.

Natürlich ist auch auf dieser Scheibe „der Nino“ ohne eine gewisse Anti-Haltung nicht zu denken. Trotzdem scheint er Gefallen an gewissen Konventionen gefunden zu haben – die aktuelle Platte ist eben nicht mehr das abgedrehte „Träume“ von 2014. Im Gegenteil: Der Mut zum Refrain zeugt von Anpassungslust. Bei „Unterwegs“ nickt der Kopf mit. Ebenso beim etwas ruhigeren „Hände“. Natürlich bleibt bei allem Anti-Sein auch Platz für Liebeserklärungen, an die Heimat, die Donaustadt (zu hören bei „Hirschstettner Lebensart“) oder gar die verstorbene Katze („Lola“).

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Und nach wie vor hat „Der Nino aus Wien“ Spaß an der Mehrdeutigkeit: „Wenn die Gitarre Tränen trinkt, sind meine Hände Messer“ heißt es etwa in „Nur ein trauriges Lied“. Auch darin liegt die Stärke der Songs: Sie sind nicht auf einmal erfassbar. Und vielleicht auch beim mehrmaligen Hören noch nicht deutbar. Spaß macht das Ungezwungen-Sein trotzdem. (bunt)

Indie Der Nino aus Wien: Der Nino aus Wien. Problembär Records.