Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 29.10.2018


Musik

“Ja, wenn die Musi spielt“: Volksmusikwettbewerb im Congress

500 jugendliche Teilnehmer machten im Congress den 23. Alpenländischen Volksmusikwettbewerb/Herma Haselsteiner Preis zu einem musikalischen Erlebnis.

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© TVM/M.Eigentler



Von Ursula Strohal

Innsbruck – Und wieder war es ein Fest für alle, von der Jugend angestoßen. Was Volksmusik geben kann, gibt sie an den vier Tagen des Alpenländischen Volksmusikwettbewerbs, potenziert durch den schier überrumpelnden Jugendfaktor. Die vom Tiroler Volksmusikverein biennial geführte Veranstaltung fand am Wochenende zum 23. Mal statt und hatte ihren Höhepunkt am Samstag im Festabend. Angeschlossen ist seit einigen Jahren in Erinnerung an die Vereinsgründerin der mehrfach zu vergebende Herma Haselsteiner Preis.

Diese Auszeichnungen, mit jeweils 4000 Euro dotiert und musikalisch zweckgebunden (Instrumente, Ausbildung etc.), sind die einzigen dotierten Preise. Denn nach wie vor geht es nicht um ein Ranking. Die Gruppen und Solisten erhalten schriftliche Bewertungen einer Jury. 28 Fachleute aus verschiedenen Regionen waren in fünf Jurys am Werk, und wie immer wurden keine milden Gaben verteilt. „Nicht die besondere Fingerfertigkeit und Perfektion ist entscheidend“, sagt Juryvorsitzender Peter Reitmeir, der vor Vereinsobmann Peter Margreiter viele Jahre lang die Veranstaltung leitete. Die Darbietungen müssten stimmig sein im Hinblick auf Herkunft und Alter der Wettbewerbsteilnehmer sowie die volksmusikalische Überlieferung. Doch gilt auch in der Tradition neu geschaffenes Musiziergut. Es geht um Musikalität, um regionale Besonderheiten und Begegnung. Das prägte die vier Tage und in 27 Auftritten den Festabend. Dazu kam auch heuer wieder das Staunen über die – wenn auch nie vordergründig ausgestellten – technischen Fertigkeiten. Daran haben die Musiklehrer bzw. Musikschulen ihren Anteil: Der Zugang zur Volksmusik hat sich entscheidend geändert. Es gibt so gut wie keine Autodidakten mehr unter den hier bis 25-jährigen zugelassenen Instrumentalisten. Sänger und Sängerinnen dürfen bis 30 Jahre alt sein, erlaubt sind generell auch ältere Gruppenleiter.

Nie ist der Congress so von Musik erfüllt wie beim Alpenländischen Volksmusikwettbewerb, es ist ein Singen und Klingen in allen Sälen und den Foyers. Solisten (hauptsächlich Harfe, Harmonika) üben, Gruppen vermischen sich, erkennbar an den Trachten, und können’s einfach miteinander. Lieder, Weisen und Adressen werden ausgetauscht. Rund 500 Teilnehmer aus den österreichischen Bundesländern (ausgenommen Wien und Burgenland), dem Allgäu, Südtirol, Bayern und der Schweiz traten an, die Jurys vergaben 150 Wertungen.

„Ja, wenn die Musi spielt“ war eines der ersten Stückln am Festabend. Ein Wald von Harfen kam zum Einsatz, es wurde erfreulich viel gesungen, es ging lustig her, besinnlich und zum Tanz rufend. Die ursprüngliche Funktionsgebundenheit der Volksmusik war spürbar, seltene Instrumente wie die ältere Kontragitarre und das in diesem Umfeld neue Saxophon kamen zum Einsatz.

Die Südtiroler Familienmusik Wallnöfer, die das Sax mit Trompete, Posaune, Harfe und Kontrabass vereinte, erhielt einen der Herma Haselsteiner Preise. Die weiteren Preisträger sind der Afelder Dreigesang aus der Wildschönau sowie aus Bayern der Zeitlang Gsang, die Früahdirndln und die Geigenmusi hoib und hoib. Erstmals hatte Moderator Peter Kostner mit Stefan Frühbeis vom BR einen bayerischen Kollegen dabei. An ORF-Seite das bayerische Fernsehen und RAI Südtirol. Mit „Gsungen & Gspielt“ im Congress, den Ständchen in der Stadt, dem Volkstanzabend, den Frühschoppen usw. war der Alpenländische Volksmusikwettbewerb für die Bevölkerung weit geöffnet.


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