Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 06.11.2018


Musik

Ein glänzendes Fest der jungen Musiktalente

Das Tiroler Landesjugendorchester begeisterte mit einem anspruchsvollen Programm im Haus der Musik in Innsbruck.

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© Huber



Von Ursula Strohal

Innsbruck – Jugendliche zwischen 13 und 26 Jahren, eine Bühne, erfüllt von Konzentration, Motivation, Jugendschmelz und Charme, das ist das Tiroler Landesjugendorchester bei seinen Projekten.

Aus dem reichen Talentepool der Musikschulen, des Landeskonservatoriums und des Mozarteums kann ein komplett besetztes Symphonieorchester technisch erstaunlich belastet werden.

Seit der Gründung 2004 organisiert die Geigerin und Schwazer Musikschulleiterin Sonja Melzer das Orchester und arbeitet mit dem Streicherkern. Dann zeigt sich in zwei Stunden, ob das Denken und Wägen, Wählen und Prüfen, Kommunizieren und Planen aufgegangen ist.

Und wie es aufging am vergangenen Sonntag im Haus der Musik Innsbruck (zuvor in Erl), mit einem anspruchsvollen Programm und zu Recht umjubelten Leistungen.

Die Streicher zeigten Sound, die Holzbläser Charakteristik, die Blechbläser Durchschlagskraft ohne Getöse, Harfe, Klavier und Celesta, so im Einsatz, konnten sich behaupten. Die Fähigkeit zur dynamischen Differenzierung und zur keineswegs selbstverständlichen Präsentation solistischer Einsätze, die in Maurice Ravels „Boléro“ vonnöten sind, die Begabungen, die sich da hören ließen, beeindruckten. Mit dem durchhaltestarken Trommler, der nie überdeckt wurde, gelang, ruhig und doch voll Spannung, das Anschwellen, das riesige Crescendo.

Im Zentrum des ersten Teils stand Manu Delago. Seine Streichorchesterfassung von „Rising between the Trains“ ist eine sanfte Raumklangmusik mit zarter Melodie, Flöten und Klarinetten mit ihren beständigen Motiven seitlich postiert. Die „Silver Kobalt Orchestral Suite“, ein Auftragswerk des Tiroler Landesjugendorchesters, leuchtet und blitzt in vier Sätzen, ebenso reich wie raffiniert orchestriert, mit Percussionisten an der Spitze. Jeremias Zöhrer, Fabian Gradnitzer und Simon Aschenwald wird vom gelernten Schlagwerker Delago nichts geschenkt, und sie gehen versiert und brillant durch das Stück.

Rhythmisch war das ganze Orchester gefordert und bestand glänzend. Arturo Márquez’ „Danzón Nr. 2“ war eine prima Vorbereitung für Leonard Bernsteins „Divertimento“, acht Sätze, die mit typisch Bernstein’schem Temperament, auch Witz und ernsten Momenten, Geschichten erzählen.

Am Pult war heuer Vito Cris­tofaro, nach seinen Innsbrucker Jahren nunmehr Erster Kapellmeister in Oldenburg. Kein leichtes Amt hat ihn wieder nach Tirol geführt, aber mit souveränem Einsatz, viel Zuwendung und handwerklich betonter Präzision leitete und trug er die jungen Musizierenden durch den Abend.


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