Letztes Update am Mi, 07.11.2018 15:10

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Eurovision Song Contest

42 Teilnehmerländer beim Song Contest 2019 in Israel

42 Länder – inklusive Österreich – feiern kommendes Jahr den 64. Eurovision Song Contest in Tel Aviv. Damit werden in Israel weniger Teilnehmerländer erwartet als heuer in Lissabon: Ein Fan-Liebling der letzten Jahre hat aus finanziellen Gründen abgesagt.

© EBUDer 64. ESC wird kommenden Mai in Tel Aviv stattfinden.



Tel Aviv – Ungeachtet eines Boykottaufrufes wollen mehr als 40 Länder am Eurovision Song Contest (ESC) 2019 in Israel teilnehmen. „42 Länder werden es in Tel Aviv beim Eurovision Song Contest 2019 wagen zu träumen“, schrieb die Europäische Rundfunkunion als Veranstalter am Mittwoch auf Twitter. Dies ist nur ein Teilnehmer weniger als beim bisher letzten Wettbewerb im Mai in Portugal.

Trotz erfolgreichen Platzierungen in den Vorjahren wird Bulgarien im kommenden Jahr nicht dabei sein. Als Gründe wurden die aktuelle finanzielle Situation und die hohen Kosten der Teilnahme genannt.

„Dare to Dream“ (zu träumen wagen) ist das Motto der Veranstaltung. Die israelische Sängerin Netta hatte im Mai mit ihrem Song „Toy“ den ESC gewonnen. Deswegen findet der Wettbewerb im Mai 2019 regulär in dem Land statt.

Hotelpreise schießen in die Höhe

Die Küstenstadt Tel Aviv mit ihren rund 430.000 Einwohnern erwartet rund 20 000 Besucher zu dem Wettbewerb. Die sowieso schon vergleichsweise hohen Preise für Hotelzimmer sind für diese Zeit teilweise massiv gestiegen. Kostet etwa eine Nacht in einem Viereinhalb-Sterne-Hotel Mitte April noch 192 Euro, so sind es einen Monat später, zum Zeitpunkt des ESC, schon 401 Euro.

Nun versucht die Stadt selbst, Betten zu moderaten Preisen bereitzustellen. Zurzeit wird an einer möglichen Kooperation mit zwei Kreuzfahrtschiffen gearbeitet, sagte ein Sprecher der Stadtverwaltung. Die Schiffe sollen vor der Küste ankern. Shuttles sollen die Gäste an die Häfen Tel Avivs und Jaffas bringen. Durch diese schwimmenden Hotels sollen Hunderte zusätzlicher Betten geschaffen werden.

Streit gibt es nach Angaben der für die Übertragung zuständigen Sendeanstalt Kan nach wie vor um die Finanzierung. Das Gesamtbudget für die Veranstaltung betrage 150 Millionen Schekel (rund 35,6 Millionen Euro). Werbeeinnahmen und Sponsoren sollten davon 50 Millionen Schekel (rund 12 Millionen Euro) einbringen. Die restlichen 100 Millionen Schekel (rund 24 Millionen Euro) solle die Regierung zusteuern.

Das Geld habe Kan allerdings noch nicht erhalten, kritisierte der Sender. Ein Sprecher von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sowie eine Sprecherin des Finanzministeriums äußerten sich zunächst nicht dazu.

Finale am 18. Mai

Der Entscheidung für Tel Aviv gingen allerdings lange Querelen in Israel voraus. Im September hatten sich Dutzende Kulturschaffende gegen die Ausrichtung des ESC in Israel ausgesprochen. Als Grund wurden Menschenrechtsverletzungen des Landes gegen die Palästinenser genannt. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zunächst auf Jerusalem als Austragungsort gesetzt, wobei die Stadt angesichts des Nahostkonflikts als heikles Terrain gilt. Nachdem sich dann Tel Aviv für den ESC durchgesetzt hatte, folgte im Sommer Ärger um die Finanzierung der millionenschweren Veranstaltung zwischen Regierung und Fernsehsender. Boykottaufrufe gegen Israel gibt es häufig. Sie sind umstritten, weil Kritiker darin die Grenze zum Antisemitismus überschritten sehen.

Der 64. ESC wird kommenden Mai im Expo Centre der israelischen Hafenstadt über die Bühne gehen, wobei die beiden Halbfinals am 14. und 16. Mai, das große Finale am 18. Mai angesetzt ist. (dpa, TT.com)