Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.11.2018


Musik

Angelo Branduardi: Ein kleines Fest mit dem Mann, der lächelte

Angelo Branduardis Auftritt in Innsbruck war fern von perfekt. Der Künstler mühte sich redlich. Seine Zuhörerschaft dankte es ihm.

© Thomas Boehm / TTHören, was die Geige sagt. Angelo Branduardi tief eingetaucht in die Sphären seiner Musik. Foto: Thomas Böhm



Von Markus Schramek

Innsbruck – Werter Herr Branduardi! Natürlich könnte man alles bekritteln, was bei Ihrem Gastspiel Mittwochabend im Innsbrucker Congress nicht so toll funktionierte: Einsätze verpasst, stimmlich am Limit, hohe Töne lieber umschifft, die Geige mitunter ein krächzendes Gerät, elektrisch verstärkt. Doch eine solche Nörgelei verbieten wir uns. Zu groß ist der Respekt vor Ihrer Musikalität und der klanglichen Poesie Ihrer italienischen Texte, wiewohl wir nördlich des Brenners nur Fetzen davon verstehen. Mit 68 muss niemand eine perfekte Show abliefern. Der Funken springt auch so über, wenn das Bühnengeschehen echt ist und live und vor allem – wenn es dermaßen charmant lächelnd präsentiert wird wie von Ihnen. (Ende der persönlichen Ansprache)

Etliche Plätze blieben diesmal leer. Multi-Instrumentalist Branduardi und seine Vier-Mann-Combo feierten ein stimmungsvolles Fest im kleinen Rahmen. Beim totgesungen geglaubten Gassenhauer „La Pulce d’Acqua“, vorgetragen in einer aufgepeppten Fast-schon-Endlosversion, wurde der Saal, man darf es sagen, auch noch gerockt. In ruhigeren Phasen zitierte Branduardi Franz von Assisi oder Literaturnobelpreisträger William Butler Yeats, keine üblen Ideengeber für seine vertonten Gedichte.

Gesanglich holte der Herr mit der markanten Wuschelfrisur heraus, was da eben noch zu holen ist. Allzu große Ausflüge in die Welt der Oktaven gehen sich nicht mehr aus. Schon beim Opener „Si può fare“ war der Stress beim rechtzeitigen Wechsel zwischen Geigenspiel und Gesang nach wenigen Takten evident. Die Band unterstützte ihren Vordersten nach Kräften, nahm ihm manchen Solopart ab. Nach 40 Minuten verschwanden die Herren Musikanten auf ein Päuschen, ein bisschen früher wohl als in jüngeren Jahren.

Und das Publikum? So dankbar dafür, dass der Branduardi-Tross wieder einmal in Innsbruck Station machte. Kein Murren, sondern nur sehr viel spürbare Sympathie auf beiden Seiten der Bühne.

Wie sagte Herr A zu seiner Begleiterin beim Abgang? „So super, dieser Branduardi, nächstes Mal bin ich sicher wieder dabei.“