Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 30.11.2018


Musik

Erich Schleyer und das Duo Sain Mus: Humorist mit vielen Stimmen

Schauspieler Erich Schleyer und das Duo Sain Mus vertonten die besten Stücke des vielseitigen Loriot.

Dynamisches Trio: „Sain Mus“ an Gitarre und Cello mit Schauspieler Erich Schleyer.

© JeunesseDynamisches Trio: „Sain Mus“ an Gitarre und Cello mit Schauspieler Erich Schleyer.



Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – „Ich bin doch kein Hund“, eröffnet Erich Schleyer den Mittwochabend im Innsbrucker Vier und Einzig. Und unterbricht damit mit Inbrunst die Improvisationslust des Duos Sain Mus, das sich bereits auf der Bühne befindet. Das Podest erreicht, erfährt das Publikum, was der Schauspieler in einer Lesung alles sein wird: Erich Schleyer selbst, Loriot, Vicco von Bürlow, die Ehefrau und eben auch – der ersten Behauptung zuwider – ein Hund.

Ein Arsenal an Stimmen, allesamt in memoriam des bereits genannten Bernhard-Viktor Christoph-Karl vulgo „Vicco“ von Bülow – alias Loriot. 2011 verstarb der wohl vielseitigste deutsche Humorist. So war Loriot nicht nur Karikaturist, sondern auch Autor, Schauspieler, Moderator, Regisseur sowie Bühnen- und Kostümbildner. Ähnlich vielfältig auch die Auswahl aus seinem erzählerischen Werk, die Schauspieler Erich Schleyer (u. a. bekannt aus der ORF-Kinderbuchsendung „Der schiefe Turm“) für die Lesung zusammenstellte und die von „Szenen einer Ehe“ über politische Reden, Kochrezepten, Leserbriefen hin zum legendären Opernführer reichte. Allesamt in eindrücklichem Duktus und mit viel Einfühlungsvermögen für die einzelnen Protagonisten (z.B. die nörgelnde Ehefrau) vorgetragen.

Die musikalische Unterlage lieferten Sain Mus mit Clemens Sainitzer am Violoncello und Philipp Erasmus an der Gitarre, die die Stimmungen der Stimmen vertonen. Und dabei sich musikalischer Themen aneignen, die bei jedem Einsatz neu gemischt und erweitert werden. Da ertönen Anklänge aus Mendelssohn Bartholdys „Hochzeitsmarsch“ (Szenen einer Ehe) oder ABBAs „Money, Money, Money“ (Wirtschaftsnachrichten), aber auch viel Improvisiertes, das in unterschiedlichen Klangbildern aufgeht. Nicht allzu klassisch, in einigen Ausformungen jazzig, mit Effekten experimentell, nur selten an einer Vorlage verharrend. Ein spielerischer Umgang, der sich perfekt mit den Texten Loriots deckt. Neben der bekömmlichen Komik des legendären Humoristen interessiert vor allem der Austausch zwischen dem erfahrenen Schauspieler und dem jungen Duo. Eine Lesung, die zur Performance mit angenehmem Unterhaltungsfaktor wird.




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