Letztes Update am Sa, 08.12.2018 14:25

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


1943 - 1971

Rock-Poet im berüchtigten „Klub 27“: Jim Morrison wäre heute 75

Sein dunkler Gesang und seine laszive Ausstrahlung sind legendär. Doch weil Jim Morrison „Sex & Drugs & Rock ‚n‘ Roll“ so hemmungslos auslebte wie kaum ein anderer, nahm es kein gutes Ende. Der tote Doors-Sänger entwickelte sich zum Mythos. Jetzt wäre er 75 geworden.

© imago/ZUMA PressJim Morrison.



Berlin – Jim-Morrison-Poster zieren immer noch Jugendzimmer, teilweise neben den übergroßen Bildern von Jimi Hendrix und Janis Joplin. Dass diese Musiker zu Rock-Ikonen wurden, ist kein Zufall, es hat nicht nur mit ihrer überragenden Klasse an Mikrofon oder Gitarre zu tun: Alle drei gelten als Rebellen der bewegten 60er Jahre, und alle drei gehören zum berüchtigten „Klub 27“ – sie starben 1970 und 1971 mit erst 27 Jahren an den Folgen ihres exzessiven Lebensstils.

Der am 8. Dezember 1943 als Sohn eines Marinesoldaten in Florida geborene Morrison wird bis heute besonders intensiv öffentlich betrauert. Auch am Samstag wieder - dann wäre der stimmgewaltige Sänger und Songschreiber der Blues- und Psychedelic-Rockband The Doors 75 Jahre alt geworden. Auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise dürften dann am Grab des US-Amerikaners wieder Blumen niedergelegt und Kerzen entzündet werden – wie schon seit so vielen Jahren.

Mehr als 100 Songs in vier Jahren

Das Bild von der Kerze, die an beiden Seiten brennt, dafür aber besonders hell leuchtet – hier trifft es gewiss zu. Nur gut vier Jahre dauerte Morrisons Albumkarriere mit den 1965 gegründeten Doors (neben dem Sänger noch Keyboarder Ray Manzarek, Gitarrist Robby Krieger und Schlagzeuger John Densmore). In dieser Zeit verfasste der schillernde Frontmann mehr als hundert Songs, und die Band verschliss sich in Konzerten, die bis an die Grenzen gingen. So wurde ein Auftritt vom 1. März 1969 in Miami zum Skandal, weil Morrison sein Publikum mit Obszönitäten aufheizte.

Das Grab von Jim Morrison in Paris.
- iStock

Sechs überwiegend von der Kritik gefeierte, bei den Fans kultisch verehrte Studioplatten veröffentlichten The Doors von 1967 und 1971, bis heute kommt Archivmaterial auf den Markt. Über 80 Millionen Tonträger des Quartetts sollen verkauft worden sein, fast 90 Mal gab es dafür Platin. Das selbstbetitelte Debüt enthielt den Welthit „Light My Fire“, die fabelhafte Brecht

Weill-Adaption „Alabama Song“ – und das apokalyptisch düstere „The End“, mit dem der Regisseur Francis Ford Coppola später passenderweise sein Kino-Meisterwerk „Apocalypse Now“ untermalte. „Hello, I Love You“ vom Album „Waiting For The Sun“ (1968) wurde der zweite Nummer-eins-Hit der Doors.

Vom Schönling zum aufgedunsenen Drogenwrack

Morrisons Songs „Love Her Madly“ und „Riders On The Storm“ vom letzten Werk „L.A. Woman“ (1971) überraschten mit Jazz-Elementen. Da war der einst so schlanke Schönling mit der mächtigen Baritonstimme längst zum aufgedunsenen Alkohol- und Drogenwrack heruntergekommen – und zu einem immer schwierigeren Bandmitglied mutiert.

Gleichwohl war dem Sänger stets bewusst, wie wichtig sein Charisma für den Erfolg der Doors war – fast noch wichtiger als Songschreiben und Gesang: „Mein größtes Talent ist, dass ich einen Rieseninstinkt für Selbstdarstellung habe“, sagte Morrison in einem Interview 1970. „Ich war sehr gut darin, die Öffentlichkeit mit ein paar kleinen Sätzen (...) zu manipulieren. Ich bin mit Fernsehen und Massenmedien aufgewachsen und wusste instinktiv, worauf die Leute abfahren.“

Posterboy der unruhigen Jahre nach dem „Sommer der Liebe“ von 1967, provokantes Idol der aufmüpfigen Jugend, aber auch belesener Dichter – all diese Rollen füllte Jim Morrison in seiner kurzen Zeit als Superstar und auch nach seinem Tod aus. Dieser ereilte ihn am frühen Morgen des 3. Juli 1971 in einem Pariser Apartment in der Rue Beautreillis 17. Die Ursache wurde nie endgültig geklärt, auch wenn Doors-Experten versucht haben, das Sterben des Sängers an der Seite seiner ebenfalls heroinsüchtigen Freundin Pamela Courson zu rekonstruieren. Eine Lungenblutung nach starkem Drogenkonsum soll Morrisons Herzversagen in der Badewanne verursacht haben.

„Letzte Worte, letzte Worte. Aus“

Der letzte Eintrag in seinem Notizbuch klingt so rätselhaft poetisch wie prophetisch: „Lass den aufgeklärten Verstand in unserem Kielwasser zurück / Du wirst Christus sein auf dieser Pauschalreise / Geld schlägt die Seele / Letzte Worte, letzte Worte / Aus.“

Beigesetzt wurde der früh vollendete, früh gestorbene Sänger in seiner letzten Heimat, der französischen Hauptstadt. Fast wäre Morrison neben einem anderen Dichter der Ausschweifung beerdigt worden: Oscar Wilde. Doch auch ohne diese Schlusspointe ist sein Grab eines der meistbesuchten von Père Lachaise. Mit dem Film „The Doors“ von Oliver Stone mit Val Kilmer in der Hauptrolle (1991) war der Mythos Jim Morrison schließlich komplett – auch wenn seine Musik nicht die Zeitlosigkeit der Beatles oder Rolling Stones erreichte. (dpa)


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