Letztes Update am Sa, 08.12.2018 11:30

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Musik aus Tirol

Zehn Jahre Naked Truth: „Musik machen geht ja ewig“

Ein Jahrzehnt Band-Geschichte schreibt die Tiroler Rock-Combo „Naked Truth“ und spielt dazu heute Abend um 21 Uhr zum großen Jubiläumskonzert im Treibhaus-Keller auf. Mit im Gepäck haben die vier Musiker ihre neue EP „Bridge“.

© Reinhard FasserNaked Truth: Zum Geburtstag gibt es für Neurauter, Schafferer, Federspiel und Ortner eine neue Platte und ein Konzert pro Monat.



Innsbruck – Neben typischen starken Rock-Riffs schlagen Sänger und Gitarrist Emanuel Schafferer, Lead-Gitarrist Alexander Neurauter, Bassist Felix Ortner und Schlagzeuger Martin Federspiel auf ihrer ersten EP in dieser Besetzung, „Bridge“, auch sanftere Töne an, haben sich sogar zum Liebeslied in zwei Sprachen hinreißen lassen. Zur Feier ihres Jubiläums dürfen „Naked Truth“-Fans sich auf diese neuen genauso wie auf alte rockige Klänge freuen, die laut der Band live noch viel besser kommen als auf CD. Live zu spielen sei nämlich – schon immer – ihre große Stärke gewesen.

Die TT hat sich mit Emanuel Schafferer, Alexander Neurauter und Felix Ortner getroffen, um sich über die Entwicklung der Band in zehn Jahren, die Schwierigkeit, hauptberuflich Musiker zu sein und darüber, was „Naked Truth“ mit „Naked Lunch“ zu tun hat, zu unterhalten.

Konzerttermine

  • 8. Dezember: Treibhaus in Innsbruck
  • 19. Jänner: Sportcafé Triendl in Oberperfuß

Wer ist „Naked Truth“ und wie ist die Band entstanden?

Emanuel Schafferer: Das einzige Gründungsmitglied bin eigentlich ich. Vor zehn Jahren ist die Gruppe entstanden, damals noch unter dem Namen „Once Again“. Damals waren wir in New York, um ein Album mit eigenen Songs mit dem Produzenten Adam Holzmann aufzunehmen. Den hatten wir damals beim Outreach-Festival in Schwaz kennengelernt, wo er uns als Band gecoacht hat. Unsere damals ganz frischen eigenen Songs hat er ganz neu auf den Punkt gebracht. Da er so ein toller Lehrer und Mentor war, habe ich den Kontakt gehalten und ihm immer wieder Songs geschickt. Schließlich hat er für uns ein Studio in New York organisiert und mit dem Geld, das wir aus den Gagen unserer Cover-Gigs zusammengespart hatten, sind wir los – und haben damit unser erstes Album dort aufgenommen. Damit in der Tasche haben wir entschieden, nur noch eigene Songs zu spielen, und das unter neuem Namen: Am 8.8.2008 hatten wir dann die Albumpräsentation, und mit diesem Datum haben wir auch den Namen „Naked Truth“ übernommen und eingeweiht. Ab diesem Zeitpunkt haben wir nie mehr gecovert.

Wie seid ihr auf den Namen „Naked Truth“ gekommen?

Schafferer: Da haben wir damals in New York ein Brainstorming gemacht. Mit „Naked Lunch“ (Anm. bekannte österreichische Band aus Kärnten) hat es jedenfalls nichts zu tun – obwohl wir sogar einmal den gleichen Schlagzeuger hatten – der hat zuerst kurz bei ihnen und dann kurz bei uns gespielt. Wir sind aber damals eben in einem Beisl in New York gesessen, haben ein paar Bier getrunken und mögliche Bandnamen auf einer Liste gesammelt. Dann haben wir ein paar Mädels am Nachbartisch gefragt, welche Namen sie gut finden und welche denn auf Englisch auch nach etwas klingen. Dadurch hat sich die Auswahl verkleinert, die wir dann mit ins Studio genommen haben. Adam hat dann auch nochmal aussuchen geholfen – und übrig geblieben ist „Naked Truth“. Eigentlich steckt kein besonderes Konzept dahinter. Wir wollten einfach einen cool klingenden Namen für eine coole Rockband finden.

Wann sind die anderen Bandmitglieder dazugekommen?

Schafferer: Ab 2011 in etwa. Die neue Besetzung und eigentlich Gründung einer neuen Band waren für mich ein Schlüsselmoment. Zuerst dachte ich, dass es ohne die vorigen Mitglieder Zeit ist, die Band aufzulösen. Alex als neuer Lead-Gitarrist hat mir dann wieder neuen Mut und Hoffnung gegeben – ich hab gewusst: „Es ist noch nicht vorbei.“ Dann ist Felix als neuer Bassist dazugekommen, und zuletzt Matty (Martin Federspiel) als Schlagzeuger. Heute weiß ich, dass wir in der Kombination es sind, die „Naked Truth“ ausmachen.

Wie habt ihr euch kennengelernt?

Alexander Neurauter: Einfach durch die Musikszene in Tirol, würde ich sagen. Den Matty z.B. haben wir bei einem Gig in Zirl kennengelernt. Ich hatte vor „Naked Truth“ schon mit Felix in einer Formation zusammengespielt, so ist er dann zu uns gekommen. Man hat sich gekannt und sich gedacht: „Das könnte passen.“

Spielt ihr eure Instrumente alle schon von klein auf?

Schafferer: Ich singe und spiele erst Gitarre, seit ich 30 bin.

Neurauter: Bei mir hat es in der Hauptschule mit der ersten Wandergitarre angefangen. Der Gitarrenunterricht war da nicht so nach meinem Geschmack, so nach dem Motto „Mit Wechselschlag der Finger kommt ein Vogel geflogen“ und eigentlich wollte ich wissen, wie das mit „The House of the Rising Sun“ und so geht. Das habe ich mir dann im Selbststudium beigebracht.

Felix Ortner: Ich hab mit fünf, sechs Jahren mit der Ziehorgel angefangen. Das war natürlich ganz etwas anderes. Als mein Lehrer gestorben ist, war das erst mal passé. Dann hab ich zur Gitarre gegriffen und bin später auf den Bass umgestiegen, weil es Gitarristen schon genug gab.

Wie würdet ihr die Musik, die ihr jetzt zusammen macht, beschreiben?

Schafferer: Einfach gesagt: Ja, wir sind eine Rockband. Bei den meisten Produktionen heutzutage sind ja ganz viele verschiedene Einspieler dabei, oder sogar ganze Orchester, und mit noch mehr Effekten dazu klingen Songs dann selten so, wie sie es live gespielt würden. Wir hingegen klingen live nicht viel anders als auf CD, und das macht unseren Sound auch aus. Was wir machen, ist echt, auf keinen Fall künstlich aufgeblasen.

Ortner: Ich bin auch der Meinung, dass unser Sound vor allem eigenständig ist und Wiedererkennungswert hat. Man hört sofort, wer da spielt.

Wenn man ein Genre festlegen will, ist es Rock?

Schafferer: Wenn man an die vielen Genre-Bezeichnungen denkt, die es mittlerweile gibt, kann man unsere Musik sicher klassischen Rock nennen. Wir liebäugeln einzig ein bisschen mit dem Progressive Rock, weil wir doch nicht nur so gerad-gestrickte Nummern haben. Zu kompliziert sind wir aber nicht.

Neurauter: Wir kommen ja auch von sehr verschiedenen Stilrichtungen. Felix hat immer schon Rock gemacht, in den 80er-Jahren Hardrock. Mich hat die Musik schon immer in alle Richtungen interessiert, mit meinen eigenen Projekten habe ich Latino, Jazz und Blues aufgenommen.

Schafferer: Jeder hat außerdem in seiner Kindheit etwas anderes gehört und hatte andere Vorbilder. Aber genau das ist total fruchtbar in einer Band: Wenn alle auf das Gleiche abfahren, klingt man am ehesten nur genau danach. Wenn das aber bei allen anders ist, wird das Spektrum größer. Wir lassen auch jedem von uns die Freiheit, sich einzubringen. Wir suchen bei unseren Nummern immer zu viert zusammen eine „Lösung“.

Wie läuft das mit dem Lösung finden? Wie entstehen eure Songs?

Schafferer: Fast immer ist es ein gemeinschaftliches Tun. Manchmal kommt einer daher und sagt: „Ich hab eine Idee“. Manchmal hat derjenige dazu schon das ganze Arrangement parat, also auch schon die Vorstellung, was die anderen machen. Etwas völlig Neues entsteht meist im Jam, wo jeder einfach drauflos spielt. Plötzlich ist der Moment da, den man festhalten will – wegen eines starken Riffs z.B. Manchmal werden fertige Ideen auch „umgejammt“.

Wieviel Zeit gibt es zum Jammen? Welchen Stellenwert hat die Band in eurem Leben?

Neurauter: „Naked Truth“ war eigentlich schon immer eine Hobby-Band. Um sie hauptberuflich zu betreiben, müssen wir covern, und dazu sind wir zu große Musikfreunde. Wir treffen uns also einmal pro Woche zur gemeinsamen Bandprobe, und momentan haben wir etwa einmal im Monat einen Auftritt.

Schafferer: Wenn du wirklich von der Musik leben willst, musst du einfach total abliefern, oft sogar in ein ganz anderes Genre gehen, als du eigentlich willst. Wir liefern da lieber in unserem normalen Job ab und in der Musik – als Hobby – suchen wir es uns aus.

Also es gab nie den Wunsch, hauptberuflich Musiker zu sein?

Neurauter und Ortner verneinen.

Schafferer: Ich muss schon zugeben, dass ich damals, als wir nach New York geflogen sind, sicher davon geträumt habe, den Durchbruch zu schaffen. Aber Adam hat uns damals schon gesagt: „The business is fucked up“. Auch jeder andere hat uns bestätigt, dass es sehr schwierig ist und die Konkurrenz einfach zu groß. Zudem ist der Markt ja eingebrochen mit der digitalen Entwicklung.

Ist es in Tirol besonders schwierig als Musiker?

Schafferer: Ich glaube, das hat gar nicht so viel mit dem Ort zu tun. Nicht-Betroffene haben überall immer noch ein Bild im Kopf, das oft nicht der Wahrheit entspricht: Den Star mit rauschendem Erfolg, groß geworden durch Musiksendungen wie „Starmania“. Dabei sind diese Shows eine extrem abgekartete Sache, eine Lüge, die verkauft werden muss. Und die Gewinner müssen einiges von ihrem Selbst opfern, um wirklich Erfolg zu haben. Zu Beginn bin ich dem auch ein wenig erlegen. Jetzt genieße ich es sehr, auf einer Bühne zu stehen, die so groß ist wie die im Treibhaus. Oder auf einer noch kleineren Bühne wie letzte Woche in Sölden: Das Publikum war dermaßen aufmerksam und einfach mit uns da – das war wunderschön und gibt viel mehr als Menschenmassen. Nur ein Album in Amerika würde ich schon ganz gern wieder aufnehmen.

Der Traum von Amerika lässt euch nicht ganz los?

Schafferer: Ich hab einfach diese tolle Erfahrung gemacht, dass es etwas mit einem macht, wenn man als Band zusammen woanders hingeht. Es schweißt zusammen und lässt Wunderbares entstehen. Da geht es dann auf einmal nur um Musik.

Wie sieht die Zukunft aus, was habt ihr vor?

Schafferer: Besetzungsmäßig haben wir uns jetzt sicher gefunden – darauf wollen wir jetzt aufbauen: In dem Ton weiter als Band agieren, Lieder schreiben, die uns allen taugen, und diese live überzeugend bringen. Hin und wieder was davon aufnehmen wäre auch schön, weil das die Lieder einfach verdienen.

Neurauter: Das ist das Feine an der Musik: Wir sind ja nicht mehr ganz Teenager, aber Musik machen geht ja ewig. Anders wie etwa Sport. Also wird es noch viel von uns zu hören geben.

Was darf man sich vom Jubiläumskonzert erwarten?

Schafferer: Wir bringen sowohl Altes als auch ganz Neues, und wir haben einen wunderbaren Gast mit auf der Bühne: die Sängerin Kathrin Gritsch. Zusammen mit ihr werden wir uns alle Mühe geben, dass das Publikum den Alltag vergisst und mit uns in unseren Sound eintaucht.

Das Gespräch führte Anja Larch.