Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 27.12.2018


Musik

Komponist Christian Spitzenstaetter: „Meine Musik ist leicht hörbar“

Die Tiroler Festspiele Erl vergaben einen Opernauftrag an Christian Spitzenstaetter. Nun wird „Stillhang“ dort uraufgeführt.

Jung, hochbegabt, mutig. Christian Spitzenstaetter dirigiert morgen Freitag seine Oper „Stillhang“.

© StillhangJung, hochbegabt, mutig. Christian Spitzenstaetter dirigiert morgen Freitag seine Oper „Stillhang“.



Von Ursula Strohal

Erl – So ganz fasst er es noch immer nicht: „Dass jemand wie ich aus dem Nichts zu einem Auftrag kommt. Und dass wir unser Stück sogar im Festspielhaus erarbeiten konnten.“ Nun steht das „Stück“, immerhin eine dreiaktige Oper, seit geraumer Zeit, die letzten Auffrischungsproben sind vorbei, morgen Freitag wird es im Erler Festspielhaus zur Uraufführung kommen. Das Publikumsinteresse ist groß, schließlich heißt der Komponist Christian Spitzenstaetter, kommt aus Wörgl und ist einer der hochbegabtesten jungen Tiroler Musiker. Die Geschichte der ersten großen Oper des 24-Jährigen, „Stillhang“, ist rundum ungewöhnlich.

2016 durfte Spitzenstaetters überaus erfolgreiche, für die Wörgler Academia Vocalis entstandene Kinderoper „Max & Moritz“ auch im Erler Festspielhaus gezeigt werden. Danach sprach Gustav Kuhn, Sensor für Talente, den Auftrag der Festspiele aus. Spitzenstaetter begab sich auf Themensuche mit dem Autor und Regisseur Klaus Ortner (u. a. „Die Toten von Salzburg“), mit dem ihn mehrere Projekte verbinden und der nun auch „Stillhang“ inszenierte. Sie fanden die Geschichte der Liesl Karlstadt, Partnerin von Karl Valentin, die nach einem Selbstmordversuch und langem Psychiatrieaufenthalt mitten im Zweiten Weltkrieg auf der Ehrwalder Alm unter jungen Rekruten in einer Tiroler Gebirgsjägereinheit lebte. Ortner schrieb das Libretto, Karlstadt wird von Isabel Karajan verkörpert. Die Sängerschar ist gemischt: Ein Musikschuldirektor (Johannes Puchleitner), ein Jäger, ein Ex-Domknabe, ein Nachwuchsstar, der sich die internationalen Opernbühnen zwischen Mailand, Berlin, Wien, Zürich usw. erobert (der Wiener Counter Thomas Lichtenecker).

Der Komponist selbst dirigiert das von ihm gegründete Orchester KOMP.ART, entstanden 2014 nach einem Jeunesse-Orchestercamp mit Freunden, die weitermachen wollten. Ein Begabtenpool, aus dem alle Instrumente abgedeckt werden können. Spitzenstaetter liebt das Dirigieren, ist darin nicht unerfahren, aber seinen „Stillhang“, so überwältigend es ist, in diesem Graben zu stehen, hätte er doch lieber von außen erlebt.

Mit fünf Jahren begann Christian Klarinette zu spielen, mit neun zu komponieren. Inspiriert von Familienmitgliedern in der Blasmusik, bei der er bald selber mitwirkte, in der Wörgler Musikschule von Sepp Rangger, der ihm den Jazz zeigte, und Ralph Schuttis Theorieunterricht sowie von Walter Seebachers Klarinettenstunden am Landeskonservatorium führte Spitzenstaetters Weg ihn an die Hochschule der Künste Bern zu der Klarinettenlegende Ernesto Molinari, dessen Kunst, aber auch „Einstellung zum Leben und der Art, es zu vermitteln“ den jungen Mann weiter faszinieren. Während der „Stillhang“-Komposition schloss er ein Studium ab, weitere stehen bevor. In Tirol spielt(e) er u. a. mit Windkraft und dem Ensemble für Neue Musik.

Hochbegabt, sehr intelligent, blitzend humorvoll, das ist Christian Spitzenstaetter. Und sehr bescheiden. „Meine Musik ist leicht hörbar“, sagt er. Aber was interessiert ihn besonders? „Im Herzen geht’s los mit Jazz, aber Vielfalt ist wichtig. Jazz, Schostakowitsch, Zeitgenössisches ab den 1950er-Jahren, zeitgemäße Improvisation, Mahler, Pop … Meine Musik ist alles – außer Schlager.“


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