Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 27.12.2018


Innsbruck-Land

Steeldrum-Orchester “PANergy“: Wenn Telfs mitten in der Karibik liegt

Weil er in Trinidad und Tobago voll von der Leidenschaft für die dortige Musikkultur erfasst wurde, gründete Stefan Schwarzenberger in Tirol ein Steeldrum-Orchester. Am Samstag lädt „PANergy“ zum Jubiläumskonzert.

Kraftvolle karibische Klänge, made in Tirol vom Steeldrum-Orchester "PANergy".

© Andrew RinkhyKraftvolle karibische Klänge, made in Tirol vom Steeldrum-Orchester "PANergy".



Von Michael Domanig

Telfs – Mit einem großen Konzert im Rathaussaal Telfs feiert das PANergy Steelorchestra am Samstag, den 29. Dezember, sein 10-Jahr-Jubiläum (Beginn: 19.30 Uhr). Doch wie in aller Welt kommt ein Tiroler Ensemble überhaupt dazu, den typischen Steeldrum-Sound der Karibik auf die Bühne zu bringen?

Bis dahin war es tatsächlich ein weiter Weg, erzählt Stefan Schwarzenberger, Gründer und musikalischer Direktor des Orchesters: Um das Jahr 2002 hatte er mit Freunden in Telfs ein Schlagzeugensemble namens Backbeat Boys gegründet. Man beschloss, gemeinsam eine „coole Reise“ zu machen – und der karibische Inselstaat Trinidad und Tobago gilt nicht umsonst als Paradies für Perkussionisten. Tatsächlich wurde die Fahrt für Schwarzenberger zur Offenbarung: „Ich war total begeistert, was da abgeht, es gibt dort unglaubliche Musiker, Sänger und Komponisten, tolle Livebands auf jeder Party.“ Vom Steeldrum-Virus infiziert, flog Schwarzenberger in der Folge zehn Jahre lang jedes Jahr zum Karneval nach Trinidad und Tobago.

Stefan Schwarzenberger, Gründer und musikalischer Direktor des „PANergy Steelorchestra“.
Stefan Schwarzenberger, Gründer und musikalischer Direktor des „PANergy Steelorchestra“.
- Andrew Rinkhy

Schon bei seiner ersten Reise hatte er dem größten Steelorchestra-Wettbewerb der Welt („Panorama“) beigewohnt und auch gleich eine Firma besucht, die Steeldrums herstellt. In Rücksprache mit der Musikschule Telfs – an der Schwarzenberger bis heute Schlagwerk unterrichtet – und dem Telfer Bürgermeister bestellte er ein 20er-Set an Instrumenten und ließ sie in die Heimat einfliegen. „Ich wollte diese Leidenschaft nach Tirol tragen“, meint Schwarzenberger, gebürtiger Kemater und Konservatoriumsabsolvent, der u. a. auch Schlagzeug im Wiener Kammerorchester spielt. Logische Folge war schließlich die Gründung des PANergy Steelorchestra im Jahre 2008. „Ich habe einfach meine Schlagzeugschüler gefragt, ob sie Lust haben, mitzumachen.“ Sie hatten – und der Funke sprang über: „Inzwischen haben wir insgesamt 27 junge Musiker, die die Steeldrums spielen können“, freut sich Schwarzenberger. Diese sind zwischen zehn und 18 Jahre alt, einige der „ersten Generation“ inzwischen Mitte zwanzig. Beim Jubiläumskonzert werden sie alle – inklusive einer Nachwuchsgruppe – ihr Können zeigen, begleitet von einem Schlagzeuger und zwei Percussionisten.

Doch was ist eigentlich eine Steeldrum (oder Steelpan)? Im Grunde nichts anderes als ein Ölfass, dessen Oberfläche nach innen gewölbt wird, erläutert Schwarzenberger. „Dann wird eine Schablone aufgelegt, die einzelnen Töne werden abgetrennt, durch Hämmern miteinander verbunden und auf den richtigen Ton gestimmt.“ Ein Steelorchestra ist wie ein Symphonieorchester aufgebaut: Die „Lead“ genannte Steelpan entspricht der ersten Violine, die „Double Tenor“ der zweiten Geige und so weiter. „Die Instrumente sind chromatisch gestimmt, also kann man alle Tonarten und jede Literatur damit spielen“, sagt Schwarzenberger. „Wichtig ist: Wir spielen die Melodie, nicht nur den Rhythmus.“

Was den besonderen Reiz der Steeldrum-Klänge ausmacht, ist für Schwarzenberger klar: „Ich habe entdeckt, dass die Lebensfreude und Leidenschaft dieser Musik auch bei uns junge Leute extrem anspricht. Durch die Art des Spielens und Bewegens ist es so, als würde man als Musiker tanzen. Das ergibt eine eigene Show, die das Publikum auch optisch mitreißt.“ Genau wie in Trinidad spiele das Orchester alles auswendig: „Wir haben drei Stunden Musik im Kopf.“ Die Musiker hätten auch gelernt, bewusst Augenkontakt mit dem Publikum zu suchen und nicht „in die Dose zu schauen“, wie Schwarzenberger es ausdrückt. „So baut man eine direkte Verbindung zu den Zuhörern auf.“ Um das zu üben, wird bei den Proben teilweise sogar das Licht ausgeschaltet. „Dann ist man gezwungen, so zu spielen“, lacht Schwarzenberger.

Das PANergy Steelorchestra kann inzwischen auf diverse Festivalauftritte zurückblicken, meist außerhalb von Tirol – vom „Strandklangfestival“ am Neusiedler See über Konzerte in Deutschland, Slowenien oder der Schweiz bis hin zur Teilnahme an der „Großen Chance“ im ORF. Zwar gebe es auch ein paar andere Ensembles in Tirol und Österreich, die Steeldrums verwenden, sagt der Gründer, „aber nicht als richtiges Orchester mit über 20 Musikern“.

Auch in Zukunft will Schwarzenberger – der auf Trinidad und Tobago sogar geheiratet hat – in die Karibik reisen, „um Energie und Inspiration nach Tirol zu holen“. Vorerst aber gilt die Konzentration dem Jubiläumskonzert in Telfs, bei dem ein „Best of“ serviert wird – von Cha-Cha-Cha- und Pop-Arrangements bis hin zu Soca- und Calypsoklängen aus Trinidad. Karten: Raika Telfs, Musikschule Telfs.

Am 12. Jänner hat das Ensemble dann bereits den nächsten großen Auftritt – als Teil der Mitternachtseinlage beim Tirolerball in Wien, der heuer ja von der Marktgemeinde Telfs gestaltet wird.

Die Instrumente wurden von Trinidad und Tobago nach Telfs importiert.
Die Instrumente wurden von Trinidad und Tobago nach Telfs importiert.
- Andrew Rinkhy



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